06.10.2017
Rubrik Musik

Review-Freitag: Die Platten der Woche mit Kakkmaddafakka, Four Tet und vielen mehr


Von Indie-Dance bis Kreativ-Elektronik: Diese Woche gibt’s neue Musik von Kakkmaddafakka, Four Tet und vielen mehr

Indie-Dance: Kakkmaddafakka – «Hus»

Weil ihre Musik immer mehr oder weniger gleich klingt, ist es bei Kakkmaddafakka prinzipiell relativ einfach: Entweder man findet sie scheisse oder geil. Geil finden wir sie vor allem, weil sie uns einfach immer wieder Tanzstoff liefern, wie wir es auch von anderen Indie-Bands gerne öfters hätten. Für die richtige Akustik haben die Norweger gleich gehandelt wie Led Zeppelin oder die Stones, die schon alternative Studios für ihre Alben wählten: Mit «Hus» ist eine alte Villa nahe Bergen, wo sie das Album komplett selbstständig aufgenommen haben. (log)

Sterne: [Sterne7]

Für Fans von: Friska Viljor, Bloc Party, The Coral

Kakkmaddafakka – «Hus» auf iTunes

Pyjama-Party-Pop: Echosmith – «Inside A Dream EP»

Echosmith, das Geschwister-Quartett (heute Trio), das mit «Cool Kids» allen Weirdos, Nerds und sonstigen Nonkonformisten die perfekte Hymne für ihr Aussenseitertum servierte, legt nach. Catchy und zuckersüss geben die Indie-Pop-Songs auf «Inside A Dream» den passenden Soundtrack für eine lauschige Pyjama-Party ab. Aber wer das Musizieren im kückenhaften Durchschnittsalter von 19 Jahren bereits so beherrscht, dem soll das ein bisschen zu herzige Teeniegesülzte verziehen sein. (miku)

Wertung:

Für Fans von: Owl City, Ellie Goulding, MisterWives

Echosmith – «Inside A Dream EP» auf iTunes

Blues Rock: Kitty, Daisy & Lewis – «Superscope»

Konventionen liegen den Dunham-Geschwister nicht. Eben verneigen sie sich noch vor dem Blues der 60er, schon geht’s weiter mit einem fuzzy London-Calling-Riff der dann wiederum in einem Rock’n’Roll-Gewitter endet. Genre sind eh nur Wörter und solange es hübsch nostalgisch und analog klingt geht alles. Anfangs geht «Superscope» gut nach vorne, verliert sich zur Mitte hin aber ein bisschen gar fest im Kitsch. «Down On My Knees» etwa ist eine einfältige Country-Nummer, die fast wie ein Fremdkörper auf dem Album wirkt. Ganz zum Schluss machen die Engländer dann aber doch noch Boden gut, mit dem dreiminütigen Instrumental-Jam «Broccoli Tempura. (rez)

Sterne:

Für Fans von: Miss Li, The Hillbilly Moon Explosion, Holly Golightly

Kitty, Daisy & Lewis – «Superscope» auf iTunes

Retorten-Pop: Robin Schulz – «Uncovered»

Es sagt viel aus, wenn man sein Album «Uncovered» nennen muss. Beim ehemaligen DJ und neuen Persil-Popstar Robin Schulz war es sogar richtig nötig. Wäre vor dem Eröffnungssong «Unforgettable» nicht ein Intro platziert, würde man glatt vergessen, dass es sich hier um ein neues Album handelt. Alles ist irgendwie bereits gehört. Will mal Ed SHeeran, mal Major Lazer sein, bemüht mal die späten Backstreet Boys, Wankelmut, Charlie XCX und vor allem ganz fest sich selber. Wobei hier die Betonung auf bemüht liegt. Robin Schulz hat seine Wurzeln mit diesem anbiedernden und ätzendem Charts-Pop endgültig vergiftet. (jdm)

Sterne:

Für Fans von: James Blunt, Maroon 5, The Chainsmokers

Robin Schulz – «Uncovered» auf iTunes

Indie-Punk: Otherkin – «Ok»

Otherkin sind Menschen die sich spirituell oder mental nicht als solche identifizieren. Sie sehen sich als Drache, Fuchs oder Einhorn. Quasi Transgenders, die nicht nur das falsche Geschlecht, sondern die falsche Spezies verpasst bekommen haben. Tragische Sache. Wer sich davon runterziehen lässt, bekommt Hilfe von der gleichnamigen Band, denn das Quartett aus Dublin klingt nach Spass. «Come On, Hello» ist ein Glücksgefühlsbringer allerhöchster Güte «Yeah I Know» hätten selbst The Strokes nicht besser hinbekommen und wer zu «Razorhead» stillsitzen kann ist wahrscheinlich schon tot. Wie menschliche Hülle der Otherkins.  (rez)

Sterne:

Für Fans von: Julian Casablancas, The Libertines, Dirty Pretty Things

Otherkin – «Ok» auf iTunes

Good Old Country-Rock: Miley Cyrus – «Younger Now»

Schockieren kann sie nicht mehr, aber überraschen. Als Miley Cyrus im Mai «Malibu» veröffentlichte hielt die Popwelt kurz den Atem an. Der unschuldige Country-Song klingt so unendlich weit weg von der Miley, die Ihren Arsch an Robin Thickes gerieben hat. Aber sei’s drum, wir werden alle älter, und wahrscheinlich war es auch nur eine Frage der Zeit, bis das Ex-Disney-Sternchen in ihrem Identitätswahn zum Genre ihres Vaters findet. «Younger Now» ist dazu ein ziemlich okay’es Album geworden. «Bad Mood» hört man an, dass MIley mit den Flaming Lips im Studio war, und «Rainbowland» hat nette Hippie-Lyrics. Das reisst natürlich niemanden mehr vom Hocker, tut aber auch keinem weh. (rez)

Sterne:

Für Fans von: Taylor Swift, Shania Twain, Sheryl Crow

Miley Cyrus – «Younger Now» auf iTunes

Kreativ-Elektronik: Four Tet – «New Energy»

Kritiker-Darling Four Tet legt nach, und auch wenn man den oftmals verkopften Electronic-Spielereien des Engländers nichts abgewinnen kann, darf man doch seinen gewaltigen kreativen Output attestieren. Es ist sein 9. Studio-Album in 18 Jahren und noch immer sind keine Ermüdungserscheinungen zu hören. «New Energy» tänzelt zwischen meditativer Schönheit und anspruchsvollen Clubbeats. Etwa wenn bei «Scientists» plötzlich eine Trompete einsetzt oder wenn «Planet» infektiöse Vocals mit Ethno-Sounds wetteifern lässt. Leichte Kost ist das nicht, Four Tet nimmt den Umweg über das Herz, bevor er sich im Ohr festsetzt. (rez)

Sterne:

Für Fans von: Bonobo, Caribu, Jamie xx

Four Tet – «New Energy» auf iTunes



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