02.06.2017
Rubrik Musik

Review-Freitag: Die Platten der Woche mit Kraftklub, Dua Lipa, Chastity Belt und mehr!


Von Indie bis Rock, von Pop bis EDM: Diese Woche gibt’s neue Musik von Beach Fossils, Bleachers, Halsey, Kraftklub, Dua Lipa, Chastity Belt, Axwell Λ Ingrosso und Harry Styles

Lo-Fi-Dream-Rock: Beach Fossils – «Somersault»

Sobald die neue Platte der Band Beach Fossils anläuft, wünscht man sich sofort in einen VW-Van Richtung Süden. Irgendwann sollte diese Reise aber auch ans Ziel kommen. Oder zumindest einen Höhepunkt haben. Leider dümpeln die zwar sehr schönen aber etwas laschen elf Dream-Rock-Tracks auf «Somersault» ziellos vor sich hin. Nach vier Jahren hätte man schon mehr erwarten dürfen. Lieder wie «This Year» oder «Saint Ivy» laden zum Träumen und Verweilen ein, aber auch nicht zu mehr. (vug)

Für Fans von: DIIV, The Drums, Wild Nothing

Wertung:

Beach Fossils – «Somersault» auf iTunes

Prächtiges Pop-Puzzle: Bleachers – «Gone Now»

Die Weihnachtsglocken («I Miss Those Days») wirken zwar etwas deplatziert (auch weil Juni), aber sie stehen symbolisch für die üppige Bescherung, die Jack Antonoff alias Bleachers auf seinem Zweitling «Gone Now» veranstaltet. Krankte sein 2014er Debüt «Strange Desire» noch an Spannungsarmut und The-Cure-Überschuss, funktioniert diesmal auch das Gros abseits der abermals mitreissenden Leadsingle («Don’t Take The Money»); darunter das Panic!-At-The-Disco-ige «Goodmorning», das kitschige «Let’s Get Married» (bereit, Lena Dunham?) und das Soft-Cell-ige «Everybody Lost Somebody». (shy)

Für Fans von: Vampire Weekend, Passion Pit, Grouplove

Wertung:

Bleachers – «Gone Now» auf iTunes

Einfluss-Überschuss-Pop: Halsey – «Hopeless Fountain Kingdom»

Wie schon das 2015er Debüt «Badlands» ist auch «Hopeless Fountain Kingdom» ein Konzeptalbum. Einerseits will Halsey darauf die Geschichte von «Romeo And Juliet» möglichst facettenreich erzählen, andererseits neue musikalische Gestade ansteuern. Die Folge: Manche Songs («Alone» mit seinem jazzigen Fundament, das Rap-lastige «Lie» mit Quavo von Migos) beissen sich zu sehr mit gewohntem Halsey-Sound («Eyes Closed»), der Piano-Ballade «Sorry» und der Pop-Hymne «Strangers» (mit Lauren Jauregui von Fifth Harmony). Doch: Je mehr Durchgänge Sie der Platte gönnen, desto stimmiger wird sie. (shy)

Für Fans von: Lorde, Bastille, Rihanna

Wertung:

Live: 15.6. Support von Justin Bieber im Stade de Suisse (Bern), 24.6. Hurricane Festival, 25.6. Southside Festival, 1.7. Roskilde Festival

Halsey – «Hopeless Fountain Kingdom» auf iTunes

Indie-Rap mit K: Kraftklub – «Keine Nacht für Niemand»

Die Chemnitzer machen mit «Keine Nacht für Niemand» erneut was sie am besten können: Musik zum Feiern. Das Album wirkt jedoch um einiges erwachsener. Nichtsdestotrotz treffen Kraftklub wieder den Nerv der Zeit mit gut durchdachten Texten und eingängigen Melodien. Dabei sprechen sie Themen wie Liebe, Politik und Depression an und schaffen so den Spagat zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit. Musikalisch ist die Platte durchaus breiter als die vorherigen Alben – jedoch ist der Spassfaktor nicht mehr ganz so gross. Was uns in Zeiten wie diesen eigentlich nicht wundern sollte. (sdu)

Für Fans von: Die Ärzte, Casper, Madsen

Wertung:

Live: 10.6. Greenfield Festival (Interlaken), 22.10. Z7 (Pratteln)

Kraftklub – «Keine Nacht für Niemand» auf iTunes

Dark Pop: Dua Lipa – «Dua Lipa»

Erwartung der Autorin: 08/15-Album mit bereits bekannten Hits, eingepackt in seichtes, irrelevantes Popbeigemüse. Realität: Ja, die Hits bleiben Hits, wie wir sie kennen; Dua Lipas unverkennbare, dunkle Stimme ummantelt tanzbare Beats und eingängige Melodien. Im Beigemüse lässt sich definitiv kein weiteres «Hotter Than Hell» oder «Be The One» finden, jedoch ein umfangreiches Sortiment an guten Popsongs, die mal mehr, mal weniger ins Ohr gehen, aber definitiv Spass machen und das Potential der 20-jährigen Britin zum Vorschein bringen. (raf)

Wertung:

Für Fans von: Rita Ora, Anne-Marie, Jess Glynne

Live: 3.6. Montreux Jazz Festival

Dua Lipa – «Dua Lipa» auf iTunes

Riot-Grrrl-Pop: Chasity Belts – «I Used to Spend So Much Time Alone»

Auf dem dritten Album der vier College-Freundinnen erwartet Sie wieder eine Flut von Reverb-geprägten Gitarren-Riffs und die bezaubernde Stimme der Frontfrau Julia. Zwar stammt der Keuschheitsgürtel des Bandnamens noch aus dem Mittelalter, der restliche Kleidungsstil der Mädels aber, wie auch ihre neue Platte, ist in den Neunzigern stecken geblieben. Nach Songs wie «Giant Vagina» und «Pussy Weed Beer» wie auf dem Debutalbum, hätten wir uns jetzt aber doch noch ein bisschen mehr Frechheit und Abwechslung gewünscht. (log)

Für Fans von: Warpaint, Mac Demarco, Haim

Wertung:

Live: 20.9. Le Romandie (Lausanne)

Chasity Belts – «I Used to Spend So Much Time Alone» auf iTunes

Tropical-EDM: Axwell Λ Ingrosso – «More Than You Know»

Axwell Λ Ingrosso ist ein Household-Name, wie man im EDM-Kuchen gern zu sagen pflegt. Und wer bekannt und beliebt ist, gibt sich oft nicht mehr besondere Mühe, wenn es um neue Tracks geht. Davon könnte man zumindest ausgehen, wenn man sich auf die zwei bereits erschienenen Singles «More Than You Know» und «Renegade» beruft – die klingen nämlich verdammt ähnlich und uninspiriert. Ganz anders sieht es beim Rest der Vier-Tracks-EP aus: «How Do You Feel Right Now» ist ein absoluter House-Banger mit Safri-Duo-Touch und «Dawn» eine elektronische Pop-Symphonie. So kann das Schweden-Duo dann doch noch ein paar Sterne mehr für die Bewertung abstauben. (kätt)

Für Fans von: Don Diablo, Afrojack, Zedd

Wertung:

Axwell Λ Ingrosso – «More Than You Know» auf iTunes

Blueshardfolk-Gitarren mit Beigeschmack: Harry Styles – «Harry Styles»

Immer wieder erwischt man sich beim verträumten Versinken in die Songs und taucht jeweils schnell wieder auf, wenn einem klar wird: Das ist Harry Styles. Das ist so sehr Harry Styles, dass sogar die Platte «Harry Styles» heisst. Und so kommt man nicht um eine gesunde Portion Skepsis herum, wenn die One-Direction-Mähne auf seinem soliden Solo-Debüt auf dicke Rockstar-Hose macht. Andererseits: Welcher echte Rockstar macht schon nicht auf dicke Hose? Wenn der 23-Jährige nun noch den Popstar-Mief loswird, könnte das mit der Glaubwürdigkeit tatsächlich klappen. (shy)

Für Fans von: My Morning Jacket, Ryan Adams, The Kinks

Wertung:

Harry Styles – «Harry Styles» auf iTunes



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