Seit 20 Jahren ein Geheimtipp – The Hillbilly Moon Explosion


Diesen Samstag steigt die Party: The Hillbilly Moon Explosion feiern ihr 20-jähriges Bestehen. Wir haben die Sängerin Emanuela Hutter auf einen Plausch getroffen und mit ihr in die Vergangenheit, aber auch ein bisschen in die Zukunft geschaut.


Sie sind auf der ganzen Welt in der Untergrund-Szene zuhause. Die vierköpfige Schweizer Rockabilly-Formation The Hillbilly Moon Explosion feiert ihren 20. Geburi auf die einzig richtige Art und Weise: mit einer fetten Party im Escherwyss Club. Gleichzeitig wird dort auch ihre neue Platte «The Sparky Sessions» in Zusammenarbeit mit Mark «Sparky» Phillips von Demented Are Go getauft. Hier bekommst du das brandneue Werk übrigens. Wenn du eher so auf Live-Musik stehst gibts hier die Tickets für die Rattle’n’Roll-Party am Samstag 27. April. Weitere Infos findest du hier. Wir haben die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und mit der Sängerin Emanuela Hutter über die 20 Jährchen des Musikschaffens geplaudert.

Wie fühlt es sich an auf die 20 Jahre Bandgeschichte zurückzublicken?
Im Moment finde ich es ein recht gutes Gefühl. Ich habe immer noch viel Kontakt mit Leuten, die damals auch Musik machten, mittlerweile aber nicht mehr und ich denke unsere Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Es ist schon ein befriedigendes Gefühl. Es gab schon Momente in denen ich mir dachte: Was soll denn das. Es war teils wirklich anstrengend und wir mussten auf vieles verzichten.

War es euch zwischendurch auch mal zu anstrengend?
Ja. Ganz am Anfang dachte ich sowieso, ich mache das mal ein, zwei Jahre, so projektmässig. Doch wir wurden dann zwei, drei Monate nach unserem ersten Konzert schon für eine Deutschland-Tournee angefragt und hatten immer extrem viele Anfragen für Konzerte und es lief sehr gut an. Es war also immer zu viel los, um aufzuhören und ich hatte auch immer Lust. Es gab aber schon Momente, in denen ich dachte, ich will mal wieder was anderes machen oder mich eher auf andere Dinge konzentrieren.

Wieso macht ihr die Band nur nebenberuflich?
Wenn ich nur Musik machen würde, müsste ich mehr Engagements annehmen und dann wäre ich nur noch unterwegs und das ist halt schwierig, wenn man Kinder hat.

War es für dich stressig, Band und Job unter einen Hut zu bringen?
Ja schon. Ich hatte auch einen Beruf, der mich interessierte und habe mich zwischendurch weiterbilden lassen. Ich hätte auch gerne nochmals studiert. Es war dann aber mit der Familie und allem doch zu viel und ich habe mich dann entschieden, mich mal nur auf die Band zu konzentrieren.

Wie oft probt ihr denn?
Eigentlich nie. Das klingt jetzt nach einem Blöff, aber wir erneuern höchsten einen Drittel von unserem Programm. Zwei Drittel sind Songs, die vor allem das Publikum wünscht. Wir proben also relativ wenig, doch manchmal sitzen wir zwischen den Konzerten zusammen und tauschen Kritik aus. Eine regelmässige Probe wäre mit kleinen Kindern auch gar nicht möglich gewesen.

Seid ihr stolz darauf, noch immer als Geheimtipp zu gelten?
Ja ich denke schon. Besser ein Geheimtipp als auf dem absägenden Ast (lacht). In der Untergrund-Szene haben wir damals recht schnell an Bekanntheit gewonnen und es gibt heute noch Leute, die uns entdecken. Das passiert vor allem über Social Media. Das freut mich immer sehr.

Wie war es mit Mark «Sparky» Phillips zusammenzuarbeiten?
Das ist immer sehr spannend (lacht). Er ist extrem talentiert, sensibel und musikalisch, aber er ist eine ziemliche Nummer. Wir hatten von Anfang an ein Verhältnis ähnlich wie Geschwister. Wir können sehr vertraut miteinander umgehen. Was bei ihm speziell ist: Er verpasst immer mal wieder seine Flüge oder vergisst seine Linsen. Aber die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut mit ihm. Er ist von Anfang an voll dabei. Die Songs mit ihm waren immer sehr schnell fertig.

Und wie kamt ihr auf ihn?
Wir wurden 2003 bei einem unserer Festival-Gigs von einem ehemaligen Mitmusiker von Sparky angesprochen. Und Oliver Baroni hatte schon lange diese Idee im Kopf, eine Mörderballade mit zwei sehr gegensätzlichen Stimmen aufzunehmen. So entstand dieser Kontakt.

Wir haben auch schon gehört, dass Sparky sehr unzuverlässig ist. Wie seid ihr damit umgegangen?
Das nervt natürlich manchmal sehr. Ich probiere es einfach so gelassen wie möglich zu nehmen. Ich habe auch schon genug Erfahrung, um damit umgehen zu können. Man kann natürlich nicht so planen. Bei unseren Aufnahmen ist er immer erschienen, doch hat er letztens ein eigenes Konzert in Bern verpasst, weil er am Flughafen den falschen Ausgang genommen hat. Diese Verwirrtheit kommt natürlich von seinem Lebensstil. Er lebt diese Punkleben nun schon seit 30 Jahren. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Wie kamt ihr zu eurer Musikrichtung?
Das kam durch Oliver. Er hatte schon vorher eine Rockabilly-Band. Ich selber habe nicht viel Rockabilly gehört, auch heute nicht. Ich habe einfach mitgemacht. Aber Rockabilly singen finde ich sehr lässig. Es lässt der Stimme extrem viel Platz, man muss nicht gegen die Instrumente ankämpfen.

Hat sich euer wilde Stilmix einfach so entwickelt oder ist der bewusst entstanden?
Der hat sich so entwickelt, auch durch Olivers Know-how und seiner Leidenschaft und ich habe mit meinen Vorlieben auch meinen Teil dazu beigetragen. Das hat sich wirklich so aus unseren Geschmäckern und unserem Können herausgebildet.

Ihr wolltet euch einfach nicht einschränken?
Ja genau. Ich habe mich auch geweigert, mich passend in diesem 50ies Look anzuziehen, aber ich denke das ist heute ein Pluspunkt für unsere Band. Unser Label hat mal gemeint, es gäbe keine andere Band in ihrem Katalog, die in derselben Woche in London auf einem Jazz-, Punk- und Alternative-Festival auftreten könne. Wir haben extrem viele Möglichkeiten für Auftritte, auch in Clubs, und durch die verschiedenen Genres immer ein sehr gemischtes Publikum.

Merkt ihr da einen Unterschied zwischen dem Publikum?
Das merkt man schon. Bei einem Jazzfestival sind es eher so die Bildungsbürger und die kulturbeflissenen Leute und die stehen natürlich im Gegensatz zum Punk-Publikum. Man sieht schon aus welchem Bereich die Leute kommen. Ich geniesse es, dass wir mit unserer Musik so viele verschiedene Leute vereinen können und dass wir auch mal die Grenzen ausloten können. Das ist dann lustig wenn Psychobillys zu einem Jazz-Song abgehen und es toll finden.

Wer schreibt und komponiert bei euch die Songs?
Oliver macht den grössten Teil und manchmal in Zusammenarbeit mit mir. Wir haben auch schon Lieder von meinem Soloprojekt genommen, weil wir einfach noch Lieder gebraucht haben. Auf der neuen Platte ist auch ein Song von Sparky. Vieles sind auch Covers.

Wieso wolltet ihr 2010 nicht beim Eurovision Song Contest antreten?
Für mich war von Anfang an klar, dass ich das nicht machen will. Wir gehören da einfach nicht hin. Unser Label meinte, es könne uns mehr Zuhörer bringen, aber ich denke, Leute, die den Eurovision Song Contest schauen, machen das eher aus Spass. Ich hatte eher das Gefühl wir würden unsere jetzigen Fans vergraulen. Der wahre Grund war aber vor allem, dass wir nicht dazu stehen konnten und ich denke dieser Wettbewerb hätte wie ein bisschen unsere Identität kaputt gemacht. Es passte einfach nicht zu uns.

Wie hat sich eure Musik in den letzten 20 Jahren entwickelt?
Anfangs haben wir viele Dinge einfach mal ausprobiert und vor allem Covers gemacht. Oliver hat aber inzwischen auch ein Know-how in Sachen Produktion entwickelt und wir haben die letzten zwei Alben selber produziert. Ich habe eine gewisse Selbstsicherheit gewonnen in der Art wie ich singe. Ich glaube jeder Einzelne von uns hat sich weiterentwickelt und wir haben an Selbstvertrauen gewonnen.

Seid ihr vor Auftritten immer noch nervös?
Teilweise schon, es kommt darauf an. Ich persönlich finde die Auftritte im Ausland, wo uns niemand kennt, am besten. Am meisten nervös bin ich vor unseren Auftritten in Zürich, wo teilweise auch Nachbarn im Publikum sind. Diese Anonymität im Ausland hilft natürlich.

Musikvideo-Dreh zu «Queen of Hearts»

Hat das neue Album einen roten Faden?
Ja, der einzige rote Faden ist Sparky (lacht). Wir wollten einfach mit Spark mal ein ganzes Album machen. Es sind alles Duette und von der Produktion her ist es eher wieder etwas garagiger und punkiger.

Wieso genau Spark?
Er ist bis jetzt einfach der beste Duett-Partner und auf die Duette mit Spark freuen sich die Fans.

Bereitet ihr euch speziell auf eure Jubiläums-Party vor?
Ich hoffe Spark bereitet sich vor und kann die Songs dann auch auswendig (lacht). Ich musste ihm auch schon den Text zuflüstern. Wir selber sind nach den zwei Wochen in den USA sicher gut eingespielt.

Habt ihr Angst, dass Spark nicht auftaucht oder zu spät kommt?
Wir rechnen einfach damit und dann sind wir halt alleine. Ich habe auch schon ein paar Leuten erzählt, dass wir für nichts garantieren können. Es ist eigentlich alles in die Wege geleitet, aber wenn er am Abend vorher nicht auffindbar ist – ist auch schon vorgekommen – können wir nicht viel machen.

Wie schaut ihr in die Zukunft? Wollt ihr nochmals 20 Jahre weitermachen?
Ich nehme Tag für Tag. Ich möchte sicher ein wenig mehr an meinem Solo-Projekt weiterarbeiten. Das macht mir sehr viel Spass und es ist auch ein guter Kontrast. Wir planen nicht gross. Wir lassen alles auf uns zukommen. Zu viele Pläne machen, bringt nicht viel. Das Schicksal kann einem immer einen Strich durch die Rechnung machen.