Slimboy mit neuem Video: Hoffnungslos der Musik verfallen


Heute erscheint das Video zur ersten Single «Hey Brother» der bald erscheinenden EP «Hopeless And Addicted» von Slimboy. Wir haben mit Frontmann Joel Bader über die Höhen und Tiefen des Bandlebens gesprochen.


Die neue EP «Hopeless And Addicted» von Slimboy steht in den Startlöchern. Doch bis die Platte erscheint, was übrigens am 30. August der Fall sein wird, müssen sich die Fans vorerst mit Singles als Appetithäppchen zufrieden geben. Die erste davon, «Hey Brother», feiert heute Video-Premiere. Wir haben uns dies zum Anlass gemacht und mit Frontmann Joel Bader geplaudert, unter anderem über die bewegte Bandgeschichte und die anstehenden Projekte.

Habt ihr anfangs schnell euren Sound gefunden?
Ich habe bereits Musik gemacht, vor allem Britpop, weil ich das auch selber gerne gehört habe. Mit Slimboy hat es dann auch so angefangen, aber sich innerhalb von sechs Jahren ins rockigere, punkigere gewandelt. Es ist einfach passiert, weil ich mich verändert habe. Kommerziell gesehen ist das natürlich ein Nachteil, weil wir keine Konstante hatten. Seit 2009 nennen wir unseren Stil einfach Alternative Rock, weil wir uns nicht festlegen wollen.

Gab es schon mal grössere Auseinandersetzungen wegen der Band?
Immer wieder, das ist fast wie in einer Beziehung. Dank der Band habe ich in meiner Beziehung keine Probleme (lacht). Musikalisch haben wir fast nie Probleme. Wir sind alt genug, dass sich niemand in seinem Territorium angegriffen fühlt, wenn ihm gesagt wird, dass er gerade schlecht gespielt hat. Vor allem organisatorische Dinge, wenn jemand nicht zu einer Probe kommen kann. Früher als wir jedes Wochenende Einzelkonzerte gespielt haben, wurde es uns manchmal zu viel, die ganze Zeit so aufeinander zu hocken. Wir haben ja unter der Woche auch gearbeitet.

Wie war das für euch damals 2003 als Support von Oasis im grossen Hallenstadion aufzutreten?
Wir hatten zwar alle schon Bühnenerfahrung, doch das war für uns ein Ritterschlag vom Gröbsten. Ich weiss gar nicht mehr so viel, weil es so absurd und so schnell vorbei war. Wir waren sehr nervös, aber es war eine schöne Nervosität. Als Kind hat man sein erstes grosses Konzert im Hallenstadion erlebt und man denkt ehrfürchtig daran wer schon alles auf dieser Bühne war.

Weshalb habt ihr damals eine so lange Pause gemacht?
Ich hatte einfach die Schnauze voll vom Namen und es gab viele Wechsel innerhalb der Band. Allein 2008 hatten wir 140 Shows ohne was dabei zu verdienen. Das ging irgendwann an die Substanz. Ich kann mich zum Teil nicht mal mehr an Konzerte erinnern, weil sie mir scheissegal waren. Nach zwei, drei Tourneen als Support hat uns ein Manager einer der Bands einen Vertrag angeboten. Bei diesem hätten wir kaum was verdient und uns je nachdem auch anpassen müssen. Ich hab schon überlegt mit welchen Bands wir dann touren könnten, doch es hat sich einfach alles dagegen gesträubt. Ich bin froh, dass ich die Reissleine gezogen habe und bin auch schnell darüber hinweggekommen. 2009 habe ich ein neues Projekt, Cancer, angefangen; einfach etwas zum Touren aber ohne Verpflichtungen. Ich habe mich auf das konzentriert, was ich toll finde, die Touren selber gebucht, alles selber in die Hand genommen. Das habe ich bis heute beibehalten. 2011 erhielten wir die Gelegenheit als Band mit Mike Herrera von MxPx zu spielen, weil er sonst nur die Akkustik-Gitarre gehabt hätte. Daraus wurden dann viereinhalb Jahre Zusammenarbeit.
Erhofft von der Pause habe ich mir, dass wir mal andere Dinge ausprobieren. Den Namen Slimboy habe ich wieder zurückgeholt, weil es doch mittlerweile fast 20 Jahre sind. Das hat den Vorteil, dass so lange Erfahrung allgemein besser ankommt.

Was hat euch die Pause gebracht? Hat sie euch verändert?
Ich finde es schade, dass ich nie wissen werde, wie es ohne Pause mit dem angebotenen Vertrag gelaufen wäre, doch sie hat auf privater Ebene gut getan. Ich hab immer viel gearbeitet auch an den Wochenenden, und plötzlich hatte ich dann auch mal Zeit für die Freundin und ich habe wieder gemerkt, wie gerne ich Musik mache.

Wie war es in einer Band zu spielen, die nicht die eigene ist?
Für mich als Fan von MxPx war es perfekt. Der Schlagzeuger hatte weniger den Zugang zur Musik. Nach den ersten Shows gewöhnte er sich aber daran und dann lief es auch. Wir mussten halt die Songs auswendig lernen und einspielen. Das alles getrennt von Mike. Wir hatten vor der Tour eine Probe mit ihm. Es war ein bisschen, wie wenn man einen neuen Job anfängt. Wir haben dann schnell gemerkt, dass es funktioniert, sonst hätten wir die Notbremse gezogen.

Ihr habt sozusagen die Band rundum Frontmann und Sänger Mike Herrera ersetzt, oder?
Ja, die andere Mitglieder von MxPx mussten aus finanziellen Gründen andere Jobs annehmen. Ich habe Touren organisiert, habe das auch gewollt, so konnte ich Kontakte knüpfen. Das war wie in einer anderen Liga. Ich habe sehr viel gelernt und profitiert. MxPx gibt es wieder und wir sind auch ein Grund dafür. Wir haben den Kontakt gehalten und konnten jetzt unser Album mit Mike aufnehmen.

Gibt es Unterschiede vom Publikum im Ausland zu dem in der Schweiz oder von MxPx zu eurem eigenen?
Bei MxPx hat das Publikum sehr emotional reagiert. Das geht mir als Hörer genau gleich, wenn man Lieder von früher wieder hört. Auch bei unseren eigenen Konzerten durften wir schöne Fangeschichten hören. Leute, die schon 2007 an einem Konzert waren und nach so langer Zeit wiederkommen. Für mich fühlt sich so was krass an. Solche Geschichten in Songs zu verarbeiten, tut gut. Wir sind sehr dankbar, dass die Fans unsere Musik hören. Engländer sind sehr musikinteressiert, schauen das Konzert von Anfang bis zum Schluss und kaufen auch Merchandise-Artikel danach. Genau für solche Leute machen wir das. Nicht um Geld zu verdienen sondern für Leute, die das cool finden.

Woher nehmt ihr die Inspirationen für eure Musik?
Früher hat man einfach gemacht, der Kopf war freier und es war weniger wichtig. Es gab auch persönliche Lieder, aber das mussten nicht alle sein. Zum Teil war wirklich die Hauptsache, dass es sich reimt. Ich hab schon auch mal eine Line, die mir gefiel von einer anderen Band kopiert und noch etwas drangedichtet. Heute sind es oft Dinge, die einem passieren, da wartet man auch mal lieber ab bis etwas passiert. Auf der kommenden EP gibt es zwei Songs ohne Bedeutung. Das kann zum Beispiel eine coole Hookline sein, die einem lange im Kopf herumgeistert und darauf baut man dann was auf. Da kann dann jeder selber interpretieren, was man versteht.

Wie kam es zur Single «Hey Brother»? Was wollt ihr mit dem Song aussagen?
Ein ehemaliger Freund von mir hat sich für neue Freunde immer wieder verstellt. Ich verstehe sowas nicht, ich bin einfach nicht so, am Schluss steht man ja alleine da. Es geht auch allgemein darum, dass es mit den ganzen sozialen Netzwerken immer schwieriger wird, eine Freundschaft aufrechtzuerhalten.

Das Video zu Hey Brother kannst du dir hier ansehen.

Vom 12. bis 24. April tretet ihr ja jeden Tag irgendwo anders auf. Ist das nicht stressig für euch?
Nicht mehr, voll easy. Wir sind im Schnitt nur vier Stunden pro Tag im Auto. Anstrengend war es mit MxPx. Wir sind viel geflogen, haben zum Teil einen ganzen Tag in einer Woche verloren. Da hatten wir die billigsten Flüge. Entweder fiel der Bildschirm aus der Halterung oder man musste aufpassen, dass man nicht gleich am Boden liegt, weil die Rückenlehne kaputt war. Im Nachhinein können wir aber darüber lachen.

Was habt ihr in Zukunft vor?
Am 30. August kommt die EP «Hopeless And Addicted» mit fünf Songs. Wir haben gemerkt, dass die Leute sich immer nur auf vier, fünf Lieder konzentrieren. Deshalb haben wir dieses Mal im Ausschlussverfahren nur die besten Lieder draufgenommen. Zuerst veröffentlichen wir aber drei Singles, die erste davon ist «Hey Brother». Für mich macht das zwar nicht so viel Sinn. Weshalb sollte dann noch jemand die Platte kaufen? Doch durch Spotify haben wir eine viel grössere Reichweite, deshalb probieren wir mal diesen weg. Ich denke das ist ein guter Mix.

Worum geht es darin?
Wir haben nie einen Leitfaden. Der Titel erklärt sich aus meiner Leidenschaft für die Musik, mit der ich aber kein Geld verdiene. Manchmal bin ich völlig hoffnungslos und frage mich, wieso ich das überhaupt mache und dann denke ich mir: «Weil ich es geil finde und süchtig danach bin.» Das ist eine kleine Notiz an mich selber.