Summerfeeling oder Winterblues – Die neuste Platte von Dennis Kiss and The Sleepers passt zu beidem


Am 12. April kommt die zweite EP «Awake» von Dennis Kiss and The Sleepers. Die erste Single «Cecilia» ist schon draussen. Wir haben mit Frontmann Dennis ein wenig über die neu Platte und das Bandleben geplaudert.


Dennis Kiss betritt das Lokal in der Zürcher Langstrasse, eines dieser typischen Instagram-Cafés. Man erkennt ihn sofort: blonde Wallemähne, schwarze Skinny-Jeans und ein weisses Shirt. Sein Look hat auch etwas mit der Band und seiner Musik zu tun, wie sich später herausstellt. Dennis Kiss and The Sleepers hat am Abend noch einen Auftritt in der Zukunft also legen wir gleich mit dem Frage-Antwort-Spiel los.

Gerade heute habt ihr einen Auftritt. Seid ihr davor manchmal nervös?
Es ist weniger schlimm als am Anfang. Wir haben jetzt schon 70 bis 80 Shows gespielt in den zwei Jahren und irgendwann vergeht das ein bisschen. Manchmal sind es auch Läden in denen anfangs nur zehn Leute da sind und dann fangen wir einfach mal an. Aber wenn man reinkommt und sieht so 50 bis 60 Leute, von denen ich oftmals viel kenne, ist es schon anders. Bei unserer Plattentaufe war das so. Heute bin ich auch ein bisschen nervös, weil wir jetzt länger nicht mehr in Zürich gespielt haben.

Habt ihr auch ein Ritual vor den Auftritten?
Wir haben mal angefangen mit so einem Pfadfinder-Spiel, um Adrenalin aufzubauen, aber das haben wir dann irgendwie doch nicht durchgezogen. Wir sind meistens ein bisschen unbeholfen vor den Auftritten, manchmal knuddeln wir ein bisschen und klatschen uns in die Hände. Das können wir aber nur tun, wenn wir einen Backstage-Bereich haben. In vielen Lokalen stehen wir einfach vor der Bühne und laufen dann hinauf.

Wie kamt ihr denn anfangs zu euren Auftritten?
Wir konnten als Dennis Kiss and The Sleepers direkt einen Gig meiner alten Band übernehmen. Wir hatten dann nur zwei Wochen Zeit um das komplette Set zusammenzustellen, das war sehr spannend. Ausserdem wurde ich zu unserer Teilnahme am Band X überredet und wir hatten dadurch auch wieder Auftritte und haben neue Leute kennengelernt. Wir wurden so ein bisschen rumgereicht (lacht).

Hast du auch schon Zweifel oder Angst gehabt, dass ihr nicht gut ankommt?
Angst nicht. Wir gehen immer ein bisschen arrogant davon aus, wenn wir jemandem nicht gefallen, dass er es einfach nicht versteht. Und wenn es einer Person nicht gefällt, ist es auch ihr gutes Recht. Man kann dann ja gut aneinander vorbei leben. Es gibt aber schon Personen, bei denen es einen interessiert, weil man sie cool findet oder mit ihr gern zusammenarbeiten möchte. Aber grundsätzlich sollte man sich davon nicht beeinflussen lassen.

Habt ihr am Anfang auch mal vor eurer Familie oder euren Freunden geübt?
Am Anfang bestand unser Publikum praktisch nur aus unseren Verwandten und Freunden. Das ist natürlich cool, macht einen aber nervöser. Es ist aber auch ein schöner Moment, wenn man in einem grossen Publikum niemanden kennt.

Wie reagierte euer Umfeld anfangs auf die Band?
Es gibt viele Leute, die das zwar cool finden, aber es überhaupt nicht verstehen können, dass wir unsere Wochenenden in irgendeinem Kaff verbringen, um auftreten zu können. Aber wir versuchen auch alle unsere Freunde, die künstlerisch tätig sind, einzubauen. Eine Freundin von uns hat das Artwork für die Platte gemacht, ein anderer Freund macht die Videos. Wir haben einen Fotografen dabei, mit dem wir befreundet sind. Dieses Bandprojekt ist dadurch das Baby von vielen geworden. Die Familie hat uns auch immer gut unterstützt, solange die Schule nicht darunter leidet.

Wie bist du darauf gekommen, dass du eine Band haben willst?
Das ist eine exzellente Frage. Ich wünschte du hättest sie nicht gestellt (lacht). Ist verdammt schwierig zu beantworten. Meine Eltern haben mir früher halt keine Chasperli-Kassetten vorgespielt sondern Nirvana, U2 oder Red Hot Chili Peppers und ich hatte von Anfang an schon diesen Bezug zur Rockmusik. Und als ich diese Dudes mit den langen Haaren und den engen Hosen gesehen habe, die Mukke machen, bekam ich auch Bock darauf. Ausschlaggebende Bands waren Mando Diao oder Arctic Monkeys. Mich hat damals auch keiner verstanden, weshalb ich mich so anziehe oder weshalb ich diese Musik höre. Ich hab tatsächlich auch versucht Mainstream-Musik zu hören, aber es hat mir halt einfach nicht gefallen. Ich hab dann irgendwann in der Schule jemanden getroffen, der das gleich sah wie ich und hab dann nach der Schule schnell gemerkt, dass in Baden praktisch jeder eine Band hat und hab mich dann auch recht schnell zu Hause gefühlt.

Schreibst du die Songs alleine?
Ich schreibe die Texte und erarbeite die groben Ideen mit der Gitarre oder dem Klavier und bringe es dann roh in die Probe und wir arbeiten gemeinsam daran. Wir probieren einfach mal verschiedene Dinge mit den Instrumenten aus. Meistens bin ich mit meinen Ideen schon viel zu weit und ich kommandiere alle rum. Die anderen müssen mich dann auch mal bremsen.

Hattet ihr auch mal Auseinandersetzungen oder Differenzen innerhalb der Band?
Das regeln wir immer relativ direkt, schnell und auf eine erschreckend erwachsene Art und Weise (lacht). Wenn jemandem etwas nicht passt, wird es immer direkt angesprochen. Das liegt ja meistens nicht an der Person per se, dann würde es sowieso nicht funktionieren, sondern an gewissen Aktionen oder Verhaltensweisen. Da muss man sich manchmal schon zusammenreissen, damit man was gebacken kriegt. Ich hab in den letzten zehn Jahren mit ganz vielen verschiedenen Leuten zusammengearbeitet und jetzt sind wir in einer Formation, in der jeder weiss, woran er beim anderen ist. Das war früher nicht so, früher hatte ich heftigere Auseinandersetzungen mit anderen Musikern, weil man sich irgendwie noch nicht selbst gefunden hatte.

Woher nimmst du die Ideen für deine Musik?
Von unterschiedlichen Sachen. Von Dingen, die man so wahrnimmt, wenn man Anfang 20 ist. Von den Leuten, die man in diesem Alter trifft oder von den Räuschen, die man in diesen Jahren erlebt. Oft schreibe ich mir auch Ideen auf, wenn ich nachts betrunken nach Hause komme, was nicht immer einfach ist (lacht), und wache morgens über dem Text wieder auf. Manchmal mache ich mir aus einer Belanglosigkeit heraus viele Gedanken und daraus entstehen unter anderem auch erschreckende Erkenntnisse. Daran arbeite ich ein bisschen. Generation Burn-out sozusagen.

Wie lange geht es bis ein Song fertig ist?
Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Song die entstehen über Wochen, andere kommen in 15 Minuten zustande.

Wie lange habt ihr an «Awake» gearbeitet?
Alles in allem sicher fast ein Dreivierteljahr. Bevor man überhaupt aufnehmen kann, muss man sich schon sehr viele Gedanken machen und da vergeht locker mal ein halbes Jahr. Anders als früher kann man sich auch die Zeit, die man braucht, nehmen. Dementsprechend können wir jetzt auch hinter der Platte stehen. Das fühlt sich gut an.

Wie bringt ihr Studium oder Job mit der Band unter einen Hut?
Mit Ach und Krach auf jeden Fall (lacht). Es ist schon nicht immer einfach. Es steckt viel Planung dahinter. Man muss halt mal früher aus der Vorlesung raus oder im Backstage noch ein bisschen für die Schule arbeiten, auch wenn man keinen Bock darauf hat. Disziplin ist wichtig. Das ist der Kompromiss den man eingeht, sonst kann man halt nicht studieren.

Auf «Awake» fällt «The Bar» ein bisschen aus dem Rahmen. Der Song ist ruhiger als die anderen. Hat das einen Grund?
Das ist sicher der ruhigste Song auf der Platte. Was da durchkommt, ist, dass wir ursprünglich, auf der ersten EP, eher akkustischen Sound gemacht haben. Da ist das folkige noch mehr drin.

Hast du für die Zukunft schon Ideen, wie es weitergehen soll?
Endlich mal raus aus der Schweiz. Wir hatten bis jetzt ein paar kleine Shows in Deutschland, aber es wäre schon cool, mal ein bisschen auszubrechen.

Ab 12. April ist die Platte erhältlich und am 3. Mai findet die Plattentaufe im Kulturlokal Werkk in Baden statt. Tickets sind hier schon erhältlich.