06.06.2016
Rubrik Musik

Suns of Thyme im Interview: Eine Woche Krach und andere schöne Erfahrungen


Die Suns of Thyme haben sich Zeit gelassen, um ihr zweites Album zu veröffentlichen. Aber wenn man erfährt, wo und unter welchem Aufwand «Cascades» entstanden ist, wird klar: es hätte sogar noch viel länger dauern können. In einem normalen Studio kann ja jeder aufnehmen.

Auf Napalm Records erscheint normalerweise extreme Musik. Alles ist extrem laut und meistens extrem schnell; Musik wie ein Anschlag auf die Gesundheit und den Verstand. Anderes als Metal findet sich dort nur in Ausnahmefällen. Doch die Leute hinter dem Label hören nicht nur eine Stilrichtung und haben nun eine Band unter Vertrag genommen, die völlig aus dem Rahmen fällt. Die Berliner Suns of Thyme sind für ihr zweites Album «Cascades» bei Napalm angekommen – obwohl ihre Musik sich irgendwo zwischen Krautrock, Prog-Rock und Indie bewegt. Einfach, weil sie hier das beste Angebot bekommen haben, weil sie hier weltweit veröffentlichen können, «und weil sie uns die komplette künstlerische Freiheit lassen», sagt Frontmann Tobias Feltes. Das sind eindeutig Traumbedingungen.

Drei Jahre sind seit dem Debüt «Fortune, Shelter, Love And Cure» vergangen; verdammt viel Zeit heutzutage. «Es gab permanent irgendetwas zu tun. Wir haben immer mehr Konzerte gespielt und eigentlich erst gelernt, was es überhaupt bedeutet, eine Live-Band zu sein.» Aber die ersten Ideen entwickelten sich da bereits und eine drehte sich um den Aufnahmeort. «Die Tante eines Drummers hat ein Haus an der Nordsee. Dort gibt es eine Scheune direkt neben dem Haus und der nächste Nachbar lebt einen Kilometer entfernt», so Tobias. Sie haben nach einem Konzert in der Nähe dort übernachtet und die Scheune der Tante hatte es ihnen angetan. «Wir haben sie gefragt, ob wir sie besuchen können, um eine Woche lang Krach zu machen», erinnert er sich. Die Suns wollten erst einmal ausprobieren wie es ist, in dieser Scheune, weitab von der Stadt und allen Ablenkungen, ein Studio einzurichten. Das Ganze hätte ja auch eine Schnapsidee sein können.

Stattdessen: «Es hat viel besser geklappt als erwartet! Durch die Architektur der Scheune gab es viel Raum und gleichzeitig eine tighte Akustik. Das schräge Holzdach sorgte dafür, dass wenig Flächen existieren, die sich gegenüberliegen.» Das Schlagzeug haben sie erhöht aufgebaut. «Es gab einen alten Schweinestall in der Scheune und da stellten wir die Drums drauf. Direkt darüber begann die Dachschräge. Wir hatten einen super krassen Sound. Der ganze Stall hat gewackelt und die Mikrofone waren am Springen», so der Frontmann. Zwei Wochen später kamen sie erneut in die Scheune, dieses Mal mit dem nötigen Equipment, um die Songs aufzunehmen. Sie machen ja sowie grundsätzlich alles selber: sie schreiben, nehmen auf, produzieren im Alleingang – schon allein weil Tobias ausgebildeter Toningenieur ist – und kümmern sich um das Artwork. Suns of Thyme ist eine autarke Band.

Aber selbst wenn man sich in die letzte Einöde zurückzieht – Krach bedeutet immer noch Ärger. «Ein Nachbar hat sich dann doch beschwert.» Aber die anderen Leute in der Umgebung standen hinter den Jungs. «Ein Bauer kam sogar mit einem Anhänger voller riesengrosser Strohballen, damit wir besser dämmen können, um den anderen Nachbar zu schonen.» Und dann lächelt Tobias versonnen: «Es war eine schöne Erfahrung.»

Das neue Album “Cascades” ist jetzt erhältlich. Hier geht’s zum Review.



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