02.03.2018
Rubrik Musik

Superorganism – Die Algorithmen funktionieren!


Das letzte Lorde-Album? Depressiv. Diese letzte Pink-Single? Ein Klagelied. Kendrik? Verzweifelt an sich und der Welt. SZA? Macht auch keinen glücklichen Eindruck … Was ist bloß mit Popmusik passiert, die bunt ist und Spaß macht? Tja, die wird heutzutage von Indiebands gemacht – und die wildeste und liebenswerteste ist gerade das Kreativkollektiv Superorganism.

Manchmal vergisst man, was für eine tolle Sache das Internet ist – überall Fake News, Datenkraken wollen alles zu Geld machen, die NSA beobachtet Dich durch deine Webcam und jeden zweiten Tag gibt es neue Sicherheitslücken. Aber wenn man mit Emily spricht, einem der acht Mitglieder von Superorganism, dann fällt einem wieder ein, was für ein Segen das WWW sein kann – und das liegt nicht nur daran, dass Emily diese Art von Mann ist, der den ganzen Tag glücklich zu sein scheint. Denn das Internet ist die Welt, in der sich seine Band gefunden hat, in der sie arbeitet und der sie ihren Erfolg zu verdanken hat. «Begonnen hat alles in einem kleinen, obskurem, neuseeländischen Musikforum», lacht er. «Wir waren Teenager, die rumalberten und lustige Bilder teilten.»  So finden Nerds zusammen, die aus so unterschiedlichen Ecken der Welt wie Japan, Neuseeland, Südkorea, Australien und dem Vereinigten Königreich stammen. Auch ihre Frontfrau, die 17-jährige Orono fand diese Rasselbande online als ihr eine Vorgängerversion der Band über YouTube empfohlen wurde, sie auf einem Konzert in Tokio vorbeischaute und alle über Facebook in Kontakt blieben. «Irgendwann fühlte es sich so an, als ob uns das Internet zusammenführen wollte», lacht Emily. «Die Algorithmen funktionieren!»

Mittlerweile leben die meisten von ihnen in einer kommunenartigen WG in einem Haus in London. «Wir wollten in ein kulturelles Zentrum ziehen, wo alle coolen Bands auftreten und wir Teil dieser Welt werden konnten.» Was ziemlich gut geklappt hat, denn als sie ihren ersten Song auf Soundcloud hochgeladen hatten, tauchte «Something For Your M.I.N.D» sofort bei BBC Radio 1 auf und Frank Ocean spielte die Nummer in seiner Radioshow, genau wie Ezra Koenig von Vampire Weekend, denn so viel eklektische Spielfreude und überbordende Kreativität wie bei Superorganism findet man «Es ist schräg: Wann immer wir Musik machen, wissen wir nicht was wir da eigentlich tun – bis es fertig ist. Bis wir einen Schritt zurücktreten und uns ansehen, was entstanden ist. Als wären wir selbst das Publikum und nicht die Schöpfer», lacht Emily schon wieder. «Es ist wie analytische Therapie – es reflektiert unsere Persönlichkeiten auf eine Art, die uns vorher nicht klar war.» Als würden acht Maler an einer Collage arbeiten. «Ja, als ob jeder Farbe gegen eine Leinwand spritzen würde. Und manchmal denken wir auch ,Oh, das ist ja schrecklich!’» Aber auch das Scheitern macht ihnen Spaß – und Emily glücklich. Denn der grinst schon wieder über beide Ohren.


Superorganism – Superorganism
Manchmal ergibt ein Bandname Sinn und ist nicht nur Nonsens: Denn nicht nur funktioniert diese Band wirklich wie ein Superorganismus, ihre Musik klingt auch als wäre sie selbst einer. Eine Vielzahl von Samples, Stimmen und Melodien auf Synthie-Sounds, Bottleneckgitarren, dazu Beats, die manchmal kurz an der Tanzbarkeit vorbeischrammen, und hinter all dem das Ziel, großen Pop zu machen, obwohl sie einfach nicht die Finger von obskuren Ideen lassen können. Handwerk, Freunde und Verspieltheit – mehr braucht es gar nicht.

Wertung:
Für Fans von: Bran Van 3000, «Odeley»-Beck, M.I.A.

 



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