15.05.2016
Rubrik Musik

Wolfman – Modern Age


Luxemburgerli und Züri-Tirggel, my ass! Das Hipsterpop-Duo Wolfman und sein Debütalbum waren vor zwei Jahren die beliebtesten Exportschlager aus der Limmatstadt – zumindest für einen branchenüblichen Medienhype-Clubtour-Festivalsommer-Zyklus.

Wie hiess das Album doch gleich? Eine Ewigkeit ist das her, zumindest für Musikkonsumenten, deren Aufmerksamkeitsspanne nach 45 Youtube-Sekunden an ihre Grenzen stösst. Jetzt liefern Katerina Stoykova und Angelo Repetto unseren Skip-and-Shuffle-geschädigten Ohren neues Futter von internationalem Format. Motto: Never change a winning Wolf.

Die Stadtstreuner kennen ihr Revier, produzieren urbane Kopfhörermusik für Streifzüge durch gentrifizierte Quartiere voller bunt bekleckerter Kinderkrippen an grauen Regentagen. Vorbei an Flagship Stores, die noch durch das panzerverglaste Schaufenster nach Desinfektionsmittel riechen. Und beim Titeltrack flüstern wir leise mit: «No I won’t, no I won’t…»

Die scharf angeschlagenen, perkussiv tänzelnden Riffs. Die quasi tiefgefroren-coolen Beats. Das kennen wir doch von woher. Nur arrangieren Wolfman ihre Lieder etwas reichhaltiger als The XX, diese Genies der Reduktion. Hier gibt’s mehr Flächen und Echos und die Gitarre darf auch mal schnell einen auf Pink Floyd machen. Und den Vocals geht jeder erdende Effekt ab, ein- bis zweistimmige Harmonien flirren als akustisches Trockeneis über dem Soundteppich. Leider fehlt ihnen die lyrische Wucht, welche The XX hinkriegen, diese «So geht es mir auch»-Sätze, die einem wie Voodoo-Nadeln ins Bewusstsein fahren. Am eindringlichsten geraten Wolfman jene Songs wie «Darken the Sun» oder «Great Fall», in denen sich der Gesang auf ein Mantra einschwört und den Hörer in die Hypnose betet.

Aber was heisst schon dringlich? Wolfman ziehen uns den Ärmel des Katzenpullis nicht mit Gewalt rein. Wir müssen schon selbst einen Schritt auf sie zutun, wie sie da so arschcool an der Betonmauer lehnen und den Zigistummel auf den frisch geputzten Asphalt schnippen. Radikal sind Wolfman bloss in ihrer Unverbindlichkeit, womit sie ja den Zeitgeist wunderbar spiegeln. Wenn dies das Ziel von «Modern Ages» war, haben wir es hier tatsächlich mit einem kleinen Meisterwerk zu tun. Oder auch einem grösseren, das sich länger in der Playlist hält als bloss bis zur nächsten Push-Meldung.

Modern Age – Wolfman auf iTunes

Für Fans von: The Hundred in the Hands, Chvrches, Darkside

Wertung:

live 26.5. Exil (Zürich)



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