10.05.2016
Rubrik Musik

Wolfmother: Andrew Stockdale im Interview


Mit “Victorious” meldet sich Wolfmother siegessicher – und so rockig wie eh und je – zurück. Beim ausverkauften Konzert im Zürcher Volkshaus am Montag stellte die australische Band erneut unter Beweis, dass sie auch nach 16 Jahren immer noch Tonangebend sind.

Wir haben Frontmann Andrew Stockdale vor dem Konzert zum Interview getroffen (während sich Bassist Ian Peres im angrenzenden Bad nach dem Soundcheck frisch gemacht hat. Er riecht übrigens nach Kokosnuss und Sexyness). Der Sänger trinkt Kokosnusswasser (das Palmengewächs scheint das Maskottchen von Wolfmother zu sein) und strahlt eine Ruhe und Gelassenheit aus, die nur äusserst glückliche und gesunde Rockstars bei Gesprächen mit Journalisten zum Ausdruck bringen können.

Andrew, das letzte mal wart ihr 2011 bei einem Solo-Konzert in der Schweiz. Warum habt ihr solange gebraucht, zu uns zurückzukehren? 
Im Jahr darauf habe ich eine Soloplatte rausgebracht, also war ich mit der auf einer kleinen Tour durch Australien und Kalifornien. 2014 kam dann “New Crown” raus. Da haben wir keine so grosse Tour gemacht, ich glaube wir hatten nur sieben oder acht Shows in Europa. Aber jetzt sind wir mit “Victorious” zurück, das ging dann aber auch wieder acht Monate, bis die Platte effektiv veröffentlicht wurde. Und jetzt sind wir auch schon wieder seit Februar auf Tour und haben schon 60 Shows gespielt. Ein paar wenige Shows stehen noch in Europa an, dann gehts für einen Monat oder zwei nach Amerika.

Habt ihr dazwischen mal eine kleine Verschnaufpause?
Ja, etwa eine Woche (lacht). Es ist hart, aber es ist auch interessant zu sehen, wie viele Shows man in wenigen Monaten schafft.

Hast du bei all den Shows nicht ab und an Probleme mit deiner Stimme?
Ehrlich gesagt hab ich mir um das grosse Sorgen gemacht, als wir mit dieser Tour angefangen haben. Es war mitten im Winter und ich dachte nur “Wie zur Hölle soll ich das durchstehen?”. Aber ich habe rausgefunden, dass meine Stimme sogar stärker wird, wenn ich sechs Shows in der Woche für je eineinhalb Stunden mache. Ich weiss auch nicht wieso, aber ich hab den Eindruck, dass mir das irgendwie hilft (lacht). Natürlich mache ich auch Vocal-Warm-ups vor jeder Show.

Das hört man sonst eigentlich nur von Popstars.
Ja, ich hatte nach zwei, drei Jahren immer ein wenig Probleme, meine Stimmqualität aufrecht zu erhalten. Mein Produzent hat mir dann geraten, einen Vocal-Coach aufzusuchen und das hat wirklich geholfen. Aber als ich damit angefangen hatte, wurde ich auch oft dumm angesehen und habe “Dude, das ist so uncool” zu hören bekommen, aber das ist mir egal. Guter Schlaf, Ruhe und viel Wasser hilft genauso, diesen Lebensstil durchzuhalten, wie Stimmübungen. Und wenn ich das noch länger machen will – und das habe ich vor – muss ich meine Stimme genauso pflegen, wie meine Instrumente. Das ist nur logisch.

Wenn du soviel Vorbereitung in deinen Live-Gesang steckst, gehen wir davon aus, dass du das Touren lieber magst, als im Studio zu sitzen, oder?
Ja, auf jeden Fall. Ich mag es, wenn ich die Reaktion des Publikums sehen kann. Letzte Nacht haben wir in Mailand 22 Songs gespielt, das war grossartig und ich hab diese Show richtig genossen. Im Studio ist alles so kontrolliert. Ich meine, es ist schön, kreativ zu sein und herumzutüfteln, mit grossartigen Riffs herauszukommen. Aber es fühlt sich nicht so natürlich an, wie auf der Bühne. Ich will sehen können, was die Leute im Publikum denken, wenn sie den Song live hören. Diese Energie schafft man im Studio einfach nie.

Trotzdem musst du ab und an ins Studio, um uns mit neuen Werken beglücken zu können. Wie war die Arbeit an “Victorious”?
Ich hab am 1. Januar 2015 mit der Arbeit am Album begonnen. Ich ging gleich nach Weihnachten und Silvester direkt von meiner Familie ins Studio und es sprudelte nur so aus mir raus. Es war wie eine weitere Version von “New Crown”, aber alle Tracks waren genau das, was dem letzten Album fehlte. Dieser vorwärtstreibende Beat und der exzentrische Spirit, den Wolfmother ausmacht. Diese positive Energie war nicht so sehr gegeben auf “New Crown” und scheinbar hat mir das nicht gepasst. Ich habe alle Tracks für “Victorious” innerhalb von zwei Wochen geschrieben, es ging also relativ einfach von der Hand.

Wer das Konzert von Wolfmother verpasst hat, kann am Riverside Open Air (2. bis 4. September) in Aarburg auf eine neue Chance hoffen. Tickets dafür gibt’s hier.



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