Zwischen Furries und Tiefkühlpizzas – Panda Lux


Die St. Galler Gruppe beschäftigt sich auf ihrer neuen EP «ZOO» mehr mit Synthesizern und stellt den Indieschmaus etwas beiseite. Im Interview erzählt uns Schlagzeuger Moritz Widrig, wie es zur Stiländerung kam und weshalb das neue Musikvideo von Furries regiert wird.


Ein Jahr ist es her, seit euer Debüt «Versailles» erschienen ist. Mit eurer EP «Zoo» schenkt ihr uns gleich 5 neue Songs. Hat sich euer Schreib- und Kompositionsprozess im Vergleich zu Album stark verändert?
Ja, eh. Seit wir Versailles aufgenommen haben, ist auch viel Zeit vergangen. Eigentlich waren wir schon 2014 fast fertig damit. Es ging dann nochmals fast drei Jahre, bis es veröffentlicht wurde. Da waren wir noch mit 18 Jahren im Studio und wussten noch nicht so recht, wovon wir reden. Eigentlich wussten wir gar nicht, was ein Studio überhaupt ist. Wir hatten vorher auch schon EPs und Doppel-Singles aufgenommen aber haben uns noch nie so richtig an ein Album herangewagt. Für «Zoo» haben wir schon viel selbst im Voraus gemacht. Wir wussten, dass wir so schnell wie möglich etwas Neues machen wollten, weil wir auch schon lange nicht mehr im Studio waren und wieder Lust darauf hatten. Mit Aaron Arens aus Berlin haben wir dann ganz neue Techniken für die EP gefunden und ausprobiert.

«Versailles» war sehr Indie-lastig, schnell und oft euphorisch. Die Songs auf «Zoo» klingen im Vergleich dazu mysteriöser, düsterer und Synth-lastiger. Was führte zum Stilwechsel?
Es ist nicht so, dass wir keine Gitarren-Band mehr sind. Wir brauchen Live weiterhin zwei Gitarren und einen Bass. Dadurch, dass Janos und ich beide Filmmusik studieren, kommen wir mit ganz verschiedenen Techniken in Kontakt: von Live-Streichern bis hin zum absolut verrückten experimentieren mit Synthies. Davon floss viel in «Zoo» ein. Es ist schon fast ein Befreiungsschlag von «Versailles», etwas vom Gitarren-Pop-Indie-Ding weg.

Du hast erwähnt, dass du Filmmusik studierst. Kommen sich da Band und Studium manchmal in die Quere?
Auf jeden Fall macht es das nicht einfach. Aber es muss ja irgendwie funktionieren. Die anderen drei Studieren auch alle und Janos spielt sogar noch bei Faber mit. Das macht es auch nicht immer einfach, die Touren aneinander vorbeizuplanen, aber es funktioniert schlussendlich immer. Wir brauchen öfters mal Tools wie Doodle, um Proben zu organisieren. Es ist sicherlich schwierig, aber es ist nicht so, dass es nicht funktioniert. Schlussendlich geht immer alles gut aneinander vorbei, und läuft, wie wir das wollen.

Nochmals zurück zum Debüt «Versailles». Dieses wurde 10 Jahre nach der Gründung von Panda Lux veröffentlicht. Ist es noch annähernd so, wie ihr euch euer erstes Album zu Beginn vorgestellt habt?
Ich glaube, vor allem wenn man so früh zusammen Musik macht wie wir – damals waren wir 13 Jahre alt und hörten Sum41 – glaub ich nicht, dass wir uns das Album so vorgestellt haben, wie es ist. Aber ich bin der Meinung, dass ein Album oder eine EP Momentaufnahmen sind. Man nimmt auf, wie man sich gerade fühlte, als man es aufgenommen hat und was man damals geil fand. Dass muss in den nächsten Jahren auch nicht mehr das Gleiche sein. Ich glaube nicht, dass wir von Anfang an gesagt haben: «Wir machen dann in 10 Jahren genau so ein Album».

Im neuen Song «Bar Franca» ist man weit von Zuhause weg und sehnt sich nach jemandem. Die Rede ist aber die meiste Zeit von einer Tiefkühlpizza. Ist das eine Metapher für eine Person?
Als Schlagzeuger der Band ist etwas schwierig für mich, über den Text zu reden. Aber so wie ich Silvan verstanden habe, ist das  eine Momentaufnahme von einer Zeit, als er mit einem Freund in den Ferien war. Und er sehnte sich auch wirklich nach jemandem. Er sass dann in dieser Bar Franca – die auch tatsächlich existiert – und ass Tiefkühlpizza mit einer starken Mischung Mojito. 

Das dazugehörige Musikvideo ist auch recht spannend. Wie kam es dazu, dass Furries die Hauptrolle darin spielen?
Schon als wir die EP konzipiert haben, die Songs langsam fertig waren und wir wussten, wohin es mit der EP gehen wird, suchten wir nach Leuten, mit denen wir auf der Design- und Videoebene zusammenarbeiten können. Unsere gute Freundin Sina Gerschwiler, die auch unser ganzes Design gemacht hat, kam dann dazu. Durch sie lernten wir auch Gregor Brändli (Regie «Bar Franca», «Beuteltier») kennen. Mit ihm spannen wir etwas herum und warfen Ideen umher. Eine davon war, dass wir verschiedene Formen von Tieren, aufgrund der Thematik Zoo, aufbringen. Da sind uns eben die Furries in den Sinn gekommen. Im Video waren auch echte Hünde und Plüschtiere dabei. Das war ein wenig das Leitmotiv. Wir fanden es auch recht spannend, da wir die Szene der Furries kaum kannten und uns damit auseinandersetzten wollten.

Jetzt wisst ihr bestimmt um einiges mehr über Furries.
Auf jeden Fall. Es ist eine sehr spannende Szene. Wir haben dabei ganz viel Erfahren, worüber man gar nichts wusste. Das war sehr spannend. Es waren auch echte Furries, echte Leute die in der Schweizer Szene verankert sind. Wir konnten mit ihnen reden und auch herausfinden, weshalb man das überhaupt macht. 

Wie kam euch die Idee, «Zoo» als Skulptur zu verkaufen?
Heutzutage kauft man sich an Konzerten ein Vinyl, um es zuhause aufzustellen. Ist man unterwegs, nimmt man nicht den Plattenspieler mit in den Zug. Was könnte man also anstelle eines Vinyls, dass in der Ecke verstaubt und alle zwei Schaltjahre auf dem Plattenspieler gespielt wird, machen? Irgendwie kamen wir dann auf die Idee eine kleine Skulptur zu kreieren, die man so als Action-Figur aufstellen kann.

Die Deutsche Musik erlebt zurzeit einen grossen Aufschwung. Bekommt ihr das auch mit, da ihr eure Lieder auf Hochdeutsch singt?
Es ist ja nicht so, als wäre die deutsche Musik mal unpopulär gewesen. Als wir mit der Band starteten war halt eher der Assi-Rap beliebt. Durch Tocotronic und Element of Crime gab es auch sonst schon eine sehr hochstehende deutsche Musikkultur. Es ist ja nichts mega neues. Kraftklub oder auch Casper kamen dann ja auch in der Schweiz sehr gut an. Das fiel natürlich auch uns positiv auf. Auf einmal kamen mehr Leute an unsere Konzerte, nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen dem Text. Wir erfahren das auch hautnahe da Janosch, der auch bei Faber – bei dem momentan auch viel läuft – mitspielt. Das finden wir sehr schön, dass Schweizer Musik, die deutsche Texte besitzt auch im Ausland ankommt und ankommen kann.


Gechillter Synth-Pop: Panda Lux – «Zoo»

Mit der neuen EP «Zoo» ertastet die St. Galler Truppe Panda Lux die Welt der Synthesizer und mischt daraus mysteriösen Synth-Pop. Die schrillen Songs erinnern, wie der Name selbst schon verrät, an einen Zoo. Es ist eine wilde Zusammensetzung aus düsteren, Urwald-ähnlichen Klängen, Indie-Gitarren und sphärischen Synthies. Durch orientalischen Einflüsse klingen die Songs fremd und doch ist man neugierig und versinkt schnell in den Neuartigen Melodien.

Wertung: [Sterne8]
Für Fans von: Jeans for Jesus, Bilderbuch, Leoniden

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