“Für tourende Musiker ist es eine echte Katastrophe”


Musiker Coronavirus

Veranstalter hatten wegen des Coronavirus eine turbulente Woche. Die Weisung des Bundes, die Veranstaltungen mit über 1000 Personen verbietet, hat auch Konsequenzen für die Veranstalter und Musikschaffenden.


Am Montag hat der Bund die Informationskampagne gegen das Coronavirus verschärft: Von Stufe orange auf rot. Das beinhaltet unter anderem neue Hygienemassnahmen. Ob es damit aber auch zu einer erneuten Verschärfung des Veranstaltungsverbots kommt, ist unklar.

Manche Investitionen sind weg

Der Veranstalter Just Because sagt, für sie gebe es natürlich finanzielle Einbussen, jedoch sei der Schaden noch tragbar. “Bis zum jetzigen Zeitpunkt können oder konnten drei unserer Konzerte nicht wie geplant stattfinden. Aber wir konnten alle bereits auf Ersatztermine verschieben.” Dennoch: “Einbussen hat man trotzdem, denn es gibt Ausgaben, die für diese Konzerte bereits getätigt wurden wie zum Beispiel das Catering. Da schauen wir, dass wir das Essen an eine Tafel abgeben können. Zudem gibt es weitere Investitionen, die weg sind” 

Für sie werde es problematisch, wenn die Besucher denken, die Absage komme vom Veranstalter und sei nicht lediglich eine Ausführung der Massnahmen. “Was wir aber bisher mitkriegen, ist, dass die Leute relativ vernünftig sind und merken, dass es nicht unsere Schuld ist.”

Für tourende Musiker eine echte Katastrophe

Die Unsicherheit, die aktuell in der Bevölkerung herrscht, bekommen nicht nur die Veranstalter sondern auch die Musiker zu spüren. „Für Musiker, die jetzt auf Tour sind oder gehen wollen, ist das eine echte Katastrophe“, sagt Christoph Trummer, Leiter der politischen Projekte bei SONART. „Meine Abklärungen mit Juristen haben ergeben, dass die Auswirkungen der Grippe-Angst und der Massnahmen des Bundes sehr wahrscheinlich unter ‚höhere Gewalt‘ fallen. Das bedeutet, beide Vertragsparteien müssen ihr Risiko selbst übernehmen, sofern keine entsprechende Versicherung für genau das getätigt wurde.“ Wenn die Konzerte nicht verschoben werden können, hat das für Musiker echte Konsequenzen: Keine Gage, kein Merchverkauf usw.

Selbst wenn ein Ersatztermin gefunden wird, kann es sein, dass nicht so viel Publikum wie sonst auftaucht.

„Etwa für eine Band, die den Hauptteil ihrer Tour im März geplant hat. Die können vielleicht das eine oder andere verschieben. Falls nicht, ist das hart. Denn das wäre der Moment im Jahr, wo sie ihr Einkommen generiert hätten.“

Der Ratschlag von SONART lautet darum: Wenn möglich, sollten die Konzerte verschoben werden. Der Bundesrat habe einen Krisengipfel zum Coronavirus und seinen wirtschaftlichen Auswirkungen einberufen. „Wir schauen aktuell, dass wir als Vertretung der freischaffenden Musiker da hin können, oder dass mindestens eine der Gewerkschaften das Thema auf den Tisch bringt.“

m4music verfolgt Situation genau

Unklar ist bisher, ob das Veranstaltungsverbot weiter ausgedehnt wird, wie das etwa die Stadt Chur gemacht hat. Chur hat Anlässe ab 50 Personen ganz verboten. Zu diesem Zeitpunkt kann auch noch niemand sagen, wie lange das Verbot effektiv gelten wird. Sollte es um eine Woche verlängert werden, wäre auch das m4music davon betroffen. Medienverantwortliche Lea Riba sagt auf Anfrage von RCKSTR: “Wir verfolgen die Situation und Entwicklung sehr genau und werden, nach Rücksprache mit den jeweiligen Behörden, entscheiden, ob das Festival durchgeführt wird.” Sobald ein definitiver Entscheid gefallen sei, werde man diesen umgehend auf den Kanälen kommunizieren.

Update, 02.03.2020, 16:43 Uhr: Wir haben auch mit Gadget gesprochen. Da heisst es auf Anfrage von RCKSTR: „Wir versuchen, für die Konzerte, die ausfallen (Annenmaykantereit und Faber) Verschiebedaten zu finden. Was die Ausfälle für Gadget konkret bedeuten, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzbar. Aber die Ausfälle sind mit hohen Kosten verbunden und auch einer allgemeinen Verunsicherung bei Konzertbesucherinnen, mit der wir als Veranstalter die nächsten Wochen umgehen müssen.“ Was das Radar Festival betrifft, sagen sie: „Wir sind im Kontakt mit den Behörden und prüfen sämtliche Optionen, damit das Radar Festival am Samstag durchgeführt werden kann. Wir informieren so rasch wie möglich.“