Ab heute im Kino: Mid90s



Von Jonah Hill
Mit Katherine Waterston, Lucas Hedges, Sunny Suljic

Jonah Hills Regiedebüt beginnt mit einem Schlag, im wahrsten Sinne des Wortes: Der 13-jährige Stevie (Sunny Suljic) wird von seinem älteren Bruder oft und heftig verprügelt. Und die Mutter schert es herzlich wenig. Trotzdem hat sie eine liebevolle Beziehung zu Stevie, aber wenig Zeit für ihren Sohn. Einen Vater gibts nicht. Bei sturmfreier Bude beschäftigt sich Stevie mit den Hip-Hop-CDs seines Bruders, was auch der Grund für die Prügel ist: Wie das so ist, will der nämlich nicht, dass Stevie in sein Zimmer geht. Daneben bewundert Stevie die coolen Jungs vom Skate-Shop und beginnt irgendwann, mit ihnen abzuhängen. Plötzlich öffnet sich ihm eine völlig unbekannte Welt. Stevie tauscht «Street Fighter II» auf seinem Super Nintendo gegen Drogen, Partys, Mädchen und Polizeirazzien. Der Coming-of-Age-Film wirkt authentisch in den 90s verwurzelt mit einem Soundtrack von Nirvana bis Wu-Tang-Clan und dem 16-mm-Format. Die Story kommt in diesem Rahmen alltäglich und sehr real rüber, trotzdem packt einen das Schicksal von Stevie, weil man sich gut in ihn hineinversetzen kann und für viele diese Welt ebenso neu ist wie für Stevie. Im Zentrum des Streifens, der an Klassiker wie «Kids» (1995) erinnert, steht nämlich die Skater-Subkultur, welche in den 90ern prominent aufkam und die sportlichen und gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit sprengte. Daneben passt «Mid90s» auch ausgezeichnet in die jetzige Zeit, wo doch 90s-Nostalgie dank Filmen wie «Captain Marvel» gerade sehr en vogue ist. Übrigens: In Zürich wird als Vorfilm die Doku «La beauté est dans la rue» von Zürcher Skatern gezeigt.

4/5 Sterne
Ab 18. April im Kino

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