Back to the Roots mit «Inna de Yard – The Soul of Jamaica»


Die perfekte Musikdoku zum perfekten Soundtrack des Sommers: Mit seinem neuen Film bringt Regisseur Peter Webber Reggae-Grössen wie The Congos, Ken Boothe oder The Viceroys auf die grosse Leinwand und zurück in die Erinnerung eines Publikums, das Reggae meist nur mit der Best-of von Bob Marley verbindet.


Über die heutige Musik kann man sagen, was man will und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, doch sollte man das Musikgedächtnis von Jung und Alt immer mal wieder ein wenig auffrischen. Früher gab es nicht nur Rock-Hymnen, Rock’n’Roll-Gassenhauer und Hip-Hop-Tracks, denen die aktuellen Songs zum Teil kaum das Wasser, ja noch nicht mal das Glas, reichen können, sondern auch die Reggae-Fraktion hat ihren massgeblichen Teil zur Musikgeschichte beigetragen und ist – zumindest was die breiten Publikumsmassen betrifft – heute völlig unrechtmässig fast in Vergessenheit geraten. Dies soll das Musikprojekt und die dazugehörige Doku «Inna de Yard – The Soul of Jamaica» ändern.

Begonnen hatte die Rehabilitierung des Reggaes mit acht Alben, die alle oldschool-mässig in improvisierten Studios draussen aufgenommen wurden und ab Beginn des neuen Jahrtausends vom Makasound-Studio unter dem Namen «Inna de Yard» veröffentlicht wurden. 2016 wurde das Thema erneut von der Philharmonie von Paris aufgegriffen, die das Label Chapter Two für eine Ausstellung über Jamaikas Musik damit beauftragte, ein Bühnenprogramm mit Reggae-Legenden auf die Beine zu stellen. 2017 erschien dann das erste Album «The Soul of Jamaica».

Für das zweite Album «Inna de Yard» trafen sich Legenden wie Ken Boothe, Winston McAnuff, Kiddus I und Cedric Myton im Haus von Kiddus I. Mit jungen Roots-Reggae-Musikern wie Derajah, Var und Jah 9 nahmen sie im Garten des Hauses, umgeben von den grünen Hügeln Kingstons, das Unplugged-Album auf. Was im Film mehr wie ein sehr freundschaftliches Familientreffen wirkt und ein positives Lebensgefühl verbreitet, ist in der Kultur Jamaikas ziemlich normal und tief verwurzelt. It’s all about positive vibes. Doch in der Musik werden nicht nur die schönen Momente des Lebens besungen. Der Film vermittelt auch Einblicke in die schwierigeren Zeiten der Musiker und auch diese finden ihren Weg in die Songtexte, die, anders als man denkt, nicht nur friedefreudeeierkuchen sind sondern pur, ehrlich, unverblümt.

«Inna de Yard – The Soul of Jamaica» läuft ab dem 19. Juni in Schweizer Kinos.