Eine Action-Intervention zum Start von «Cold Pursuit»: Liam Neeson, wir müssen reden


Der gefühlt millionste Film mit Liam Neeson kommt demnächst auf die Leinwände. Doch wir haben mit dem lieben Herr Neeson noch ein Hühnchen zu rupfen.


Bitte verstehe uns nicht falsch, Liam. Wir sind grosse Fans. Wirklich. Du warst Rob Roy, Michael Collins und Oskar Schindler. Wenn das mal keine Weltgeschichte ist. Ebenso warst du Aslan, Priest Vallon, der Vater von diesem doofen Balg in «Love, Actually» und sogar der gottverdammte Darkman! In dem Film hast du zwar die meiste Zeit ausgesehen wie ein Wienerli nach einem besonders verheerenden Hausbrand, trotzdem gehört «Darkman» in jede anständige VHS-Kollektion. Und sei es nur deshalb, um damit Wohnungseinbrecher niederschlagen zu können. Belohnt wurdest du für all das mit Nominierungen für so ziemlich jeden wichtigen Filmpreis und selbst den Order of the British Empire bekamst du umgehängt. Als du dann vor zehn Jahren mit «Taken» deine Karriere noch einmal neu erfunden hast und plötzlich der knurrige Silberschläfen-Asskicker warst, fanden wir das zunächst auch ganz schön aufregend. Hätten wir nur damals schon geahnt, wohin das noch führen würde!

Es folgten zwei «Taken»-Fortsetzungen, in denen du so zirka die halbe Balkan-Bevölkerung ausgeknipst hast und dabei die ganze Zeit in die Kamera gucktest, als würdest du jetzt eigentlich viel lieber all die Episoden von «Luther» schauen, die seit Wochen den Speicherplatz auf deiner TV-Box blockieren. Dazwischen bist du durch «Non-Stop» («Taken, aber im Flugzeug»), «The Commuter» («Taken, aber im Zug») und «Run All Night» («Taken, aber ohne Taken im Titel») schlafgewandelt und nimmst inzwischen scheinbar auch sonst jeden Job an, der ein Filmproduzent beim gemeinsamen Mittagessen auf eine Serviette schreibt und dir über den Tisch zuschiebt. Liam, bitte verstehe uns nicht falsch. Du drehst inzwischen so viele Filme, dass wir dich häufiger sehen als unsere eigenen Eltern. Nicht mal im «Lego»-Film ist man vor dir sicher!

Doch jetzt ist das kritische Mass erreicht, Liam. Am 28. Februar kommt dein neuer Film «Cold Pursuit» ins Kino. Darin spielst du einen Schneepflugfahrer, der die Ermordung seines Sohnes durch die Drogenmafia rächen will. Moment, was?! Liam, bitte. Ein Schneepflugfahrer? Du warst mal Zeus! Ein Jedi-Ritter! Du hast Batman trainiert! Nur weil ein paar Norweger die «Mr. Plow»-Folge bei den «Simpsons» gesehen haben und dachten «Das wäre so viel besser mit mehr Toten» und Hollywood dann ein Remake davon drehen wollte, musst du doch nicht gleich lange Unterhosen anziehen und ins nächste Flugzeug hüpfen. Manchmal ist es völlig okay, «Nein» zu sagen und das Telefon wieder aufzuhängen. Oder willst du etwa so enden wie Eric Roberts? Selbst Nicolas Cage sieht sich inzwischen deine Filmographie an und denkt «Alter, mach mal Pause».

In einem Interview hast du mal verraten, wie sehr du dich für Fliegenfischen begeisterst. Wäre das nicht ein Hobby, mit dem du wieder etwas mehr Zeit verbringen könntest? Und nein, damit meinen wir keinen Film-Pitch à la «Der Besitzer eines Ladens für Angelzubehör muss seinen entführten Enkel aus den Klauen der tschetschenischen Organmafia befreien». Das wäre absolut albern. Oder, na ja, ähem, hättest du etwa Interesse daran? Wir könnten den Streifen «Off the Hook» nennen und Christopher Lambert spielt den Boss der Organdiebesbande. Wir tippen gleich mal ein Treatment dazu ab. Aber danach musst du uns versprechen, dir auch mal wieder etwas Ruhe zu gönnen. Liam. Bitte. Verstehe uns nicht falsch. Du bist wie ein köstliches Glas Baileys. Doch selbst der macht irgendwann Kopfweh, wenn er einem unentwegt mit einem Hochdruck-Schlauch in den Rachen gepumpt wird.

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