„Ich fand es zu Beginn anstrengend, dass Marc Uwe alles dirigierte“


Känguru Chroniken

Diese Woche startet der Film “die Känguru Chroniken”. Wir haben uns mit Regisseur Dani Levy darüber unterhalten, wies es ist, aus einem Bestseller einen Film zu drehen und was er vom Känguru hält.


Dem Berliner Autoren und Künstler Marc Uwe Kling ist mit der Buchreihe “die Känguru Chroniken” ein Bestseller gelungen. Die Geschichte des kommunistischen Kängurus spielt in Berlin und berührt viele Menschen, denen an diesem ganzen kapitalistischen Schweinesystem einfach etwas komisch vorkommt. Jetzt gibt es den Film zum Buch in den Kinos, Regie führte der bekannte Schweizer Regisseur Dani Levy. Der Basler wohnt in Berlin und hat gemeinsam mit Marc Uwe Kling den Film realisiert. Wir haben ihn in Zürich zum Gespräch getroffen.

 

RCKSTR: Wir sind hier ja alle grosse Fans vom Känguru. Als wir dann gehört hatten, dass es einen Film dazu gibt, waren wir alle sehr skeptisch. Wir wurden aber positiv überrascht!
Dani Levy: Das freut mich. Aber das wussten wir. Das war sowohl Marc Uwe Kling wie auch mir klar. Da ist bei jedem Buch dieses “Oh wie wird wohl die Verfilmung?” da. Immer wenn aus einem Buch oder aus einem anderen Kunstwerk ein Film gemacht wird, ist das eine Transformation in ein völlig anderes Medium. 

 

Da kann man sich auch voll in die Nesseln setzen.
Total. Ich fand es zu Beginn auch anstrengend, dass Marc Uwe alles dirigierte. Er liess mich überhaupt nicht ran. Irgendwann dachte ich mir, er wird schon wissen, was er macht. Denn dann ist es wirklich auch sein Film. Er ist wirklich ein extrem strenger und fast schon etwas manischer Hüter des Grals. Er wollte wirklich auf jeden Fall, dass jedes Wort, das in diesem Film gesagt wird, durch seine Feder geht. Das fand ich etwas anstrengend denn ich dachte mir dann, wofür bin ich dann als Filmemacher und Autor – ich bin ja auch Autor – da? Es wäre auch interessant gewesen, eine Vermischung zu finden. Aber mir gibt es eine Sicherheit, dass ich weiss, der Autor ist so dicht dran, dass ich hoffe, für die Fans, die die Bücher lieben, einen Film zu machen, den sie auch mögen. Es ist ein anderes Medium, einiges kam dazu vieles fehlt auch. Aber wir dachten uns, dass wir Stoff für mindestens noch zwei Filme brauchen. 

 

Wir waren gespannt darauf, ob sich die Buchgeschichten durch den Film ziehen. Ihr habt euch dann etwas völlig anderes ausgedacht.
Es gibt ja auch so viele kurze Dinge, wo es einfach Satzstücke oder zwei Sätze aus einer Geschichte sind. Es ist schon ein Kuddelmuddel von Zitaten.

 

Ihr hattet auch viele witzige Detail im Film. Anstatt einfach “Milch” stand auf der Milchpackung beispielsweise “Filmmilch”. Was war dein liebstes Detail aus dem Film?
Mir hat die “halbe Packung Mehl” sehr gefallen. Das war eine Idee aus der Requisitenabteilung.

 

Du hattest die Bücher zu Beginn nicht gelesen. Wie hat sich deine Beziehung zum Känguru verändert?
Ich hörte es als erstes bei meinen Kindern hörte und fand es erstmal nervig. Erst hörten wir jahrelang die Harry Potter Hörbücher von Rufus Beck. Dann war Rufus Beck endlich vorbei, dann kam Marc Uwe Kling. Und ich liebe ja beide. Aber dann kam diese etwas nervige Stimme aus den Zimmern. Ich stand dann ab und an rein, um zu hören, was sie eigentlich hören. Ich habe dann A) nicht verstanden, was meine Kinder verstehen und fand es total wahnsinnig, dass die das hören. Diese auf eine Art komplexen Inhalte, wo ich dachte, toll, dass die sowas hören. Dass die daran Spass haben. Da war ich erst Beobachter. Als ich vor etwa 3 Jahren angefragt wurde, den Film zu machen jubelten meine Kinder und meinten: Endlich machst du mal einen vernünftigen Film! Dann habe ich angefangen, die Geschichten genau zu hören und wurde wirklich auch ein Fan. 

 

Schöne Dialoge und Beziehungshorror zwischen Leuten, die sich die ganze Zeit nicht verstehen und rumkabbeln und gleichzeitig so eine Kapitalismuskritik drin. Ich fand das eine schöne Verbindung. Marc Uwe ist ja eigentlich überhaupt kein Känguru. Er ist ein total introvertierter, unterspannter, dröger Typ. Als ich ihn getroffen habe und begonnen habe mit ihm zu arbeiten merkte ich, das Känguru ist wie der Teil von ihm selbst, der er nicht ist. Forsch, nach vorne, schnell, offensiv, unvorsichtig, undiplomatisch, frech, nervig. Etwas ganz anderes. Das fand ich wahnsinnig interessant. Dass eine Figur kreiert aus dem Defizit heraus als ein Ventil kreiert wurde. Die so einen Spass macht und so toll ist und mit der Gleichzeitig so viele Leute erreicht werden. Das muss wahnsinnig glücklich machen. Dass du so eine Marke entwirfst. 

 

Wie fanden deine Kinder den Film?
Absolut super. Meine Tochter ist kritisch. Sie ist jetzt 20 und das einzige, was sie nicht so gut fand, war der Therapeut. Sie meinte, ‘Marc Uwe spricht den viel lustiger’. Ich meinte dann ‘ja aber ich finde keinen Wiener Schauspieler, der schlechtes Wienerisch spricht, wie Marc Uwe das tut.’ Ich habe das aber sehr ernst genommen und habe Marc Uwe gefragt, ob er sich das vorstellen könnte, er fand den aber total gut, so wie er ist. Mein Sohn ist 13 und für ihn ist es eh das Grösste.