Jojo Rabbit


Heil froh


Von Taika Waititi

Mit Roman Griffin Davis, Scarlett Johansson, Taika Waititi u.a.

Wie lustig darf Hitler? An dieser Frage haben sich schon einige Filmemacher versucht – mit zwiespältigem Erfolg (Charlie Chaplins «Der grosse Diktator»? Yay! «Er ist wieder da»? Ehhh …). Regisseur Taika Waititi («Thor: Ragnarok») wagt sich nun an ein besonders absurdes Szenario und schlüpft dabei gleich selbst in die Rolle des Führers – beziehungsweise der kumpelhaften Version eines imaginären Freunds, welcher der Fantasie des 10-jährigen Johannes (Roman Griffin Davis) entspringt. Dieser wird – nach einem Unfall im Hitlerjugend-Sommercamp – in deren Büro versetzt, wo er der Leitung (u.a. Sam Rockwell, Rebel Wilson) aushelfen soll, die langsam dahinserbelnde Kampfmoral der Deutschen mit Propaganda-Botengängen aufrecht zu erhalten. Doch dann entdeckt der «Jojo» genannte Knirps, dass seine Mutter (Scarlett Johansson) die Jüdin Elsa (Thomasin McKenzie) in ihrer Wohnung versteckt hält und gerät in einen Gewissenskonflikt, bei dem ihm auch sein Fantasy-Adolf nicht wirklich eine grosse Hilfe ist. In seiner Darstellung von Hitler verzichtet Waititi auf die üblichen Manierismen und kommt eher wie eine Art Elliot das Schmunzelmonster in Naziuniform daher. Doch allen Albernheiten zum Trotz wartet «Jojo Rabbit» mit einigen schockierenden Reality Checks auf. So werden die Schrecken des Kriegs und Dritten Reichs nicht verharmlost, sondern umso brutaler vor Augen geführt, wenn sie zwischen dem Wes-Anderson-Feel-Good-Soundtrack und Neverending-Sieg-Heil-Gags durchbrechen. Waititi ist damit eine mutige, merk- und denkwürdige Tragikomödie gelungen, deren finale Botschaft einem das Herz aufgehen lässt.

Ab 23. Januar im Kino

4/5 Sterne