Unser grosser, fetter, bester Streaming Guide: Disney+


Jeden Samstag einen neuen Glotz-Tipp fürs Überleben auf der Couch. Diesmal: Ein Deep Dive in das Programm von Disney+.


Ob es ein etwas seltsamer Zufall ist, dass der europäische Start von Disney+ genau zu einer Zeit kommt, wo alle daheim sitzen müssen und nach Unterhaltung lechzen? [Akte X Titelmusik] Wie auch immer: Die Schatztruhe ist endlich geöffnet und einige von uns haben sich schon an den am hellsten funkelnden Klunkern sattgesehen – «The Mandalorian», «The Lion King» (das verdammte Original!), all die Marvel-Blockbuster und so weiter. Wir wühlen uns jetzt also noch etwas tiefer durch die Auswahl und finden einige mindestens so schmucke Bijous.

Brandneue Originals

The World According to Jeff Goldblum: Mit scheinbar endloser Cool Uncle Energy staunt sich Schauspieler / Jazzmusiker / Seidenhemd-Ikone Jeff Goldblum auf seinen Entdeckungstouren durch simple Themen wie Swimming-Pools und Sneakers, legt dabei manchmal selber Hand an und führt entspannte Gespräche mit (prominenten) Gästen. Entspannt, trivial – und deshalb genau das, was wir jetzt gerade brauchen.

SparkShorts: Pixar hatte schon immer ein Händchen für Kurzfilme, einige der spannendsten Arbeiten des Animationsstudios sind nur einige Minuten lang. «SparkShorts» ist eine Sammlung solcher Mini-Produktionen für welche die beauftragen Freelancer nur sechs Monate sowie ein sehr beschränktes Budget zur Verfügung gestellt bekamen und deshalb besonders kreativ agieren mussten.

Togo: Um eine Epidemie in einem abgelegenen Dorf einzudämmen, muss ein Hundeschlittenführer mit seinen Huskies innerhalb von sechs Tagen Alaska durchqueren, damit das Serum rechtzeitig bei den Menschen ankommt. Doch dann gerät der Tross in einen Schneesturm. Der Film beruht auf wahren Begebenheiten und Willem Dafoe glänzt für einmal in einer wholesome Rolle.

Die Imagineering Story: Nicht nur für Superfans spannend: Die sechsteilige Doku-Serie begleitet umfassend Disney auf seinem Weg vom reinen Filmstudio zum ganz grossen Vergnügungspark-Player. Auch hart gefloppte Projekte wie die ursprüngliche Vision für Disney‘s California Adventure und der Beinahe-Untergang von Euro Disneyland werden dabei nicht unter den Teppich gekehrt.

Forky hat eine Frage: Der heimliche Star aus «Toy Story 4» kriegt seinen kleinen Spin-off: In jeder Episode von «Forky Asks A Question» fragt Forky, na ja, eben eine simple Frage («What is Time?», «What is Art?») und kriegt von alten Bekannten wie Hamm oder Trixie eine Antwort. Dass seine Frage «What is Love?» nicht mit «Baby, don‘t hurt me» beantwortet wurde, gibt aber etwas Abzug.

Kurzschluss: Das Disney Studios Pendant zu Pixars SparkShorts, in Sachen Animationsstil jedoch weitaus abwechslungsreicher: In «Kurzschluss» werden die Kurzfilmarbeiten junger Talente vorgestellt. Unsere allesamt hinreissenden Favoriten: «Exchange Student», «Cycles», «Jing Hua» und «Drops».

Vergessene Klassiker

Oz – Eine fantastische Welt: Als 1985 die Fortsetzung zum Filmklassiker «Der Zauberer von Oz» in die Kinos kam, blieb das Publikum grösstenteils aus. Wohl auch, weil viele Szenen für Kinder zu furchterregend und düster sind. Rückblickend lässt sich aber sagen: Nicht nur ist der zweite Trip nach Oz ein faszinierendes Fantasy-Spektakel, sondern hat auch Jahre später optisch und erzählerisch kaum was eingebüsst.

Spider-Woman: Die originalen Animationsserien von «Spider-Man» und «X-Men» haben in den letzten Jahren insbesondere als Meme-Vorlagen ein popkulturelles Comeback gefeiert (und die Abenteuer von Letzteren sind ebenso auf Disney+ verfügbar). Doch auch die 1979 auf den Fernsehbildschirmen debütierende «Spider-Woman» bietet ordentlich viel Retro-Charme und kurzweilige Unterhaltung.

Gummibärenbande: Hier könnten auch die ebenso grandiosen «DuckTales», «Darkwing Duck», «Gargoyles» oder «Käpt‘n Balu und seine tollkühne Crew» stehen. Am Ende haben wir uns dann aber doch für die Gummibärenbande entschieden, weil die Titelmelodie einfach noch immer ein absoluter Bänger ist, erst recht wenn man sie einen halben Tag lang in verschiedenen Sprachen auf YouTube abspielt.

Frankenweenie: Seine Karriere begann Tim Burton bei Disney. Als er dem Studio jedoch 1984 diesen Kurzfilm vorsetzte, wurde er sofort entlassen. Erst knapp 30 Jahre später konnte sich das Mickympierum doch noch erwärmen für die Story über einen toten Hund, der à la Frankensteins Monster wiederbelebt wird, und machte daraus einen Animationsfilm. Beide Streifen gibt es auf Disney+.

Versteckte Seltsamkeiten

Fuzzbucket: In der ersten Hälfte dieses 45-minütigen Fernsehfilms dachten wir, einem kleinen Jungen beim langsamen Abdriften in den Wahnsinn beizuwohnen. Schliesslich materialisiert sich dann aber doch noch sein imaginärer Freund Fuzzbucket – und zwar auf eine Art, die selbst abgebrühte Horrorfans erschauern lässt. Ein unfreiwillig creepy Mindfuck für Zwischendurch.

Mr. Boogedy: Albernes Gruselfilmchen über eine Familie, die sich in einem Spukhaus durchschlagen muss – und seit dem Start von Disney+ in den USA neuen Kultstatus geniesst. Für 80s- und 90s-TV-Kids kommt es ausserdem zu einem kleinen Gipfeltreffen: David Faustino (Bud Bundy aus «Eine schrecklich nette Familie») und Benji Gregory (Brian Tanner aus «Alf») spielen die beiden Söhne.

So Weird: Der Titel ist Programm: Die Teenagerin Fiona (gespielt von Cara DeLiza) geht mit ihrer Rockstar-Mom (Mackenzie Phillips) auf Tour und stösst dabei mit ihrem Bruder (Patrick Levis) ständig auf paranormale Kreaturen wie Kobolde, Vampire und Ausserirdische. Eine bizarre Mischung aus «Akte X», «Buffy the Vampire Slayer» und «Hannah Montana» mit Peak-90s-Ästhetik.

Superhirn in Tennisschuhen: Der Legende nach sollen Walt Disneys letzte Worte «Kurt Russell» gewesen sein. Und tatsächlich wirkte der damals noch babygesichtige Schauspieler in zahlreichen Filmproduktionen von Disney mit, unter anderem dieser hier aus dem Jahr 1969: Nachdem Student Dexter (Russell) von einem Computer einen Stromschlag abbekommt, ist er plötzlich ein Superhirn. In Tennisschuhen.