DOOM Eternal: Splatterballett auf Steroiden


2016 gelang id Software mit dem Reboot von «DOOM» etwas, das seit dem Original von 1993 eigentlich unmöglich schien: Die komplette Neudefinition des Genres. Wie kann ein so brachiales Schlachtfest, das sogar Ash Williams blutverschmiertes Gesicht mit Freudentränen zu waschen vermochte, noch getoppt werden? «DOOM Eternal» liefert die Antwort darauf.


Die Prämisse ist recht einfach: Es gibt wieder Dämonen und das ist eher so semigeil. Also sollte wohl jemand etwas dagegen tun. Und dieser Jemand ist der Doomguy, denn anscheinend ist er der letzte Typ, der eine Shotgun bedienen kann. Zwischen Raketenwerfer und Glory Kills bleibt im grundsoliden Kern auf den ersten Blick also alles beim Alten.

«DOOM Eternal» schaltet aber – nach einem zugegeben etwas lahmen Start – in den Overdrive und setzt wieder neue Standards im Ripping ‘n’ Tearing. Die grösste Neuerung ist dabei, dass es drei verschiedene Glory Kills gibt, die entweder Leben, Munition oder Rüstung generieren. Kombiniert mit einer Limitierung dieser Ressourcen entsteht ein deutlich dynamischeres und extrem schnelles Gameplay, das zwar zu Beginn jeden überfordert, sich schliesslich wie schon hypnotisches Splatterballet anfühlt. Gesteigert wird dieser Grand Prix der Horrorvision nur noch durch den kongenialen Soundtrack von Mick Gordon, der schon im 2016er «DOOM» satt in jeden Storenkasten nistete.

Hail to the Doomguy, Baby!

Neben neuen Gegnertypen, deren Integration erstaunlich gut funktioniert, wurde auch am Leveldesign geschraubt. Dabei kam jemand auf die hinterhältige Idee, die Umgebung mit Plattforming-Passagen anzureichern, die jedoch eher wie ein Limbo-Wettbewerb in Bowsers Schloss wirken, wobei am Ende keine Prinzessin wartet, sondern meistens nur ein feuriger Tod. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist die fordernde Schnelligkeit, die auf den Konsolen mit einem Controller bei einigen Kämpfen fast schon zu hoch ist.

Davon abgesehen ist «DOOM Eternal» in allen Belangen nochmals eine deutliche Steigerung zum Vorgänger und verdient nur die besten Haltungsnoten. Oder um es mit einer kleinen Metapher zusammenzufassen: Wenn das 2016er «DOOM» Metallica in ihrer Blüte war, dann ist «DOOM Eternal» Slayer auf Steroiden und allem, was sich die russischen Kids grad sonst noch reinpfeifen. Ja, die Hüpfpassagen sind mühsam und sinnlos, aber spätestens wenn sich die Tür öffnet, der grandiose Soundtrack einsetzt und das vertraute Klicken der nachladenden Shotgun ertönt, ja, spätestens dann erreicht das Adrenalin schlagartig ein kritisches Level und die Hölle hat uns wieder.

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