EA Games und Star Wars: The Empire Screws Up


Glaubt man dem Internet, dann steht Disney-CEO Bob Iger demnächst mit hochgekrempelten Ärmeln bei EA Games im Büro und prügelt dort seine «Star Wars»-Lizenz aus ein paar unfähigen Managern heraus. Der «FIFA»-Konzern hat sich 2013 die exklusiven Rechte an der Versoftung der Franchise gesichert und liefert seit mehr als fünf Jahren eine beispielslose Shitshow an unfertigen Games, habgierigen Geschäftspraktiken und dem möglicherweise dümmsten PR-Move, seit Beyoncés Publizist allen Menschen auf der Welt verbieten wollte dieses eine, schlimme Bild von ihr anzuschauen (you know which one!).


Zuerst das Recap der letzten paar Staffeln von «Schlimmer als Jar Jar Binks»: Als Electronic Arts «Star Wars: Battlefront» ankündigte, waren die Fans einigermassen optimistisch, denn mit EA DICE werkelte ein talentiertes Studio an dem Titel. DICE hat dank jahrelangem Training mit der «Battlefield»-Serie reichlich Erfahrung mit cineastischen Massenschlachten und verfügt dazu über die nötige, personelle Infrastruktur, die so ein Mammutprojekt verlangt. So zumindest der allgemeine Eindruck, der zum Release hin aber von der Realität eingeholt wurde. Technisch zwar beeindruckend ist «Star Wars: Battlefront» ein liebloser Schnellschuss, dem es an einer Story, Weltraum-Action (In. Einem. Star Wars. Game. Jeez!) und vor allem an Umfang fehlt. Besonders zynisch: Gleichzeitig bot EA einen Season Pass für die kommenden Expansion Packs für absurd teure 50 Stutz an. Wer das volle Spielerlebnis wollte, wurde also gleich zweimal über den Tisch gezogen. Der Publisher bemühte sich anschliessend um Schadenskontrolle und versprach das Game in den kommenden Monaten gratis mit weiterem Inhalt zu unterstützen. Dazu kam es zwar, doch selbst Wochen später war «Star Wars: Battlefront» bestenfalls ein passabler Multiplayer-Shooter, welcher der Franchise in keinster Weise gerecht wurde.

«The dark side I sense in you»
Am 10. Mai 2016, also keine sechs Monate nach dem ersten Teil, kündigte EA Games «Star Wars: Battlefront 2» an. Käufer des Debüts müssen sich wie Ned Stark gefühlt haben, als King Joffrey seinen Kopf absäbeln liess, nachdem dieser sich ihm gutgläubig hingewendet hatte. Im Vorfeld gelobte der Publisher Besserung, man habe auf das Feedback gehört, der Season Pass sei Geschichte und «Battlefront 2» soll nun die Spielerfahrung werden, die sich die Fans gewünscht haben. Einmal mehr würde aber die Ernüchterung folgen. Am 4. Oktober 2017 ging die Beta-Version des Games online und erlaubte einer breiten Masse, die Laser-Schwerter vorab zu schwingen. Das Urteil war vernichtend und das zu Recht: Mit der Aussicht, diesmal auf den teuren Season Pass verzichten zu müssen, hatte EA Games «Battlefront 2» mit Mikrotransaktionen vollgepumpt, die den Käufern noch mehr Kohle aus der Tasche ziehen sollten. Für echtes Geld konnten sich die Spieler bessere Ausrüstung für ihren Charakter kaufen und sich so einen unfairen Vorteil gegenüber all jenen verschaffen, die naiverweise der Meinung waren, dass es bei einem Multiplayer-Game um Können geht. EA torpedierte die Grundfeste der Spielmechanik, egalisierte jeglichen kompetitiven Wert und hatte darüber hinaus auch noch die Arroganz, beliebte Figuren der Serie wie Darth Vader hinter einer Paywall wegzusperren. Diese konnte zwar umgangen werden, verlangte vom Spieler aber über 40 Stunden an repetitivem Gameplay. Wer keine Arbeitswoche investieren wollte, um Rebellen zu würgen war – einmal mehr – angeschmiert. All das wäre an sich schon Grund genug gewesen für einen handfesten Skandal, die Kirsche auf der Bullshit-Torte sollten dann aber die Loot-Boxen werden. Loot-Boxen sind eine Sammlung an zufällig zusammengestellten Items, die erspielt oder – man ahnt es – gekauft werden können. An sich keine neue Praktik, im Falle von «Battlefront 2» waren die Gewinnchancen jedoch dermassen mickrig, dass sich in verschiedenen Ländern die Gesetzgeber eingeschaltet haben. Belgien prüft derzeit eine Klage, während EA Games zeitnahe verkündete, dass sie sich im Recht sehen und auch bereit sind, dieses juristisch einzufordern.

«Mind what you have learned. Save you it can»
«Shitstorm» ist heutzutage ein inflationär gebrauchter Begriff und doch gibt es kaum ein Wort, dass besser beschreiben könnte, was auf EA Games daraufhin niederprasselte. EA versuchte indessen, den Schaden einzudämmen und erklärten in einem offiziellen Presse-Statement, dass die hohen Anforderungen zum Freispielen eines Charakters dem Spieler ein Gefühl von Stolz geben würden. Der Kommentar kam in etwas so gut an, wie ein Anne-Frank-Witz am Set von «Schindler’s Liste». EA sah sich gezwungen, die Mikrotransaktion auf den Release des Games hin temporär abzuschalten. Bis die Käufer sämtliche Helden/Bösewichte spielen durften, ohne dafür extra Ferien zu nehmen oder das Haus verpfänden zu müssen, sollten weitere vier Monate vergehen.

«That is why you fail»
Für zockende «Star Wars»-Fans war es nicht das einzige Debakel, das es zu verkraften galt. Ein weiterer Titel aus der Franchise, der unter der Führung von Amy Hennig (massgeblich verantwortlich für die «Uncharted»-Reihe) entstand und zu dem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre in Entwicklung war, wurde im Oktober 2017 eingestampft und das traditionsreiche Studio dahinter wenig später geschlossen. Vom damaligen EA-CEO Patrick Söderlund gab es anschliessend eine Standard-Ansage «kreative Differenzen, blah blah, entsprach nicht unseren Qualitätsansprüchen, blah blah» und den Verweis auf weitere Games, die sich derzeit in Entwicklung befänden. Eines davon – wie am 16. Januar 2019 herauskam, ist – oder viel mehr war – «Project Orca», ein Openworld-Game, über das nicht viel mehr bekannt ist, als dass es das selbe Schicksal wie Amy Hennigs Spiel haben sollte. Die offizielle Begründung dieses Mal? Die Entwicklungszeit dauerte zu lange. EA Games’ Vertrag mit Disney dauert noch bis 2023 und deren Ziel dürfte wohl sein, die Zeit bis dahin mit so vielen Produkten wie möglich zu füllen.

«Hope there is»
Disney dürfte sich angesichts der spektakulären Misswirtschaft, die EA Games mit der Lizenz betreibt, mittlerweile ernsthaft überlegen, wie man früher aus dem Vertrag kommt und man kann davon ausgehen, dass der Micky-Maus-Brand genug Anwaltspower hätte, um den Entwickler von der Franchise zu enteignen. Wünschenswerter wäre allerdings, dass EA Games irgendwo in einem längst vergessenen mentalen Hinterzimmer ein letztes bisschen Anstand findet und den Fans endlich das gibt, was sie wollen: Ein gutes «Star Wars»-Game, idealerweise mit einer tollen Geschichten und vor allem in einem fertigen Zustand ohne versteckte Kosten. Für den Moment ruht die Hoffnung dazu auf «Star Wars: Jedi Fallen Order». Das Action-Spiel wird von Respawn entwickelt, das Studio hat mit «Titanfall» bewiesen, dass es grossartige Games produzieren kann – Single- sowie Multiplayer. Vielleicht klappts ja dieses Mal, darauf wetten würden wir aber nicht. Oder um mit den Worten Han Solos abzuschliessen «Never tell me the odds.» Und fuck EA Games.

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