Game-Review: Fire Emblem – Three Houses


So langsam sind die Tränen über das Finale von «Game of Thrones» getrocknet und wir haben uns damit abgefunden, dass einige brennende Fragen nie beantwortet werden. WARUM HAT DROGON DEN VERDAMMTEN THRON ANGEZÜNDET!? WARUM WAR BRAN SO EIN FUCKING NICHTSNUTZ!? Okay – vielleicht nicht ganz abgefunden, aber ansatzweise arrangiert. Jedenfalls sind wir bereit für etwas Neues und wenn die HBO-Serie das Heroin der Popkultur war, so dürfte «Fire Emblem: Three Houses» in Sachen Plot zumindest als Methadon oder ein anders Substitut durchgehen.


Von Nintendo • Für Nintendo Switch

Die Geschichte dreht sich um den Kontinent von Fódlan, wo unzählige Adelshäuser in oberflächlichem Frieden koexistieren. Diese vermeintliche Harmonie ist auf jahrelangen Kriegen von grössenwahnsinnigen Herrschern aufgebaut und damit brüchiger als die Beziehung von einem «Bachelor/ette»-Paar. Im Mittelpunkt der Fantasy-Saga steht der Söldner Byleth, wahlweise als Typ oder Typin anwählbar. Byleth und sein/ihr Vater retten einigen Teenagern das Leben, die sich später als Schüler der Officers Academy herausstellen – einem riesigen, Hogwarts-ähnlichen Campus für die auserwählten Elite-Kids. Aus haarsträubenden Gründen wird Byleth zum Professor an der Officers Academy und unterrichtet fortan eins der namensgeben drei Häuser deiner Wahl. Die Entscheidung will gut überlegt sein, denn die unterschiedlichen Häuser entwickeln nach dem ersten Akt ihren komplett eigenen Story-Strang. Bis dahin vergehen allerdings einige Stunden, respektive virtuelle Monate, in der Byleth sein/ihr Kampf- und Strategie-Wissen weitergibt. Das passiert primär in klassischer «Fire Emblem»-Kost auf dem Schlachtfeld, wo du bis zu 13 Charaktere aka deine Schüler in den Einsatz schickst und rundenbasiert auf deine Gegner loslässt. Deren individuellen Fähigkeiten müssen präzise berücksichtigt werden. Die zierliche Heilerin hält dem Angriff eines gepanzerten Ritters nur schwer stand, dieser wiederum hat gegen einen Magier das Nachsehen. Das unkaputtbare Schere-Stein-Papier-Prinzip ist hier zwar nicht mehr ganz so wichtig wie in früheren Serien-Ableger, stellt aber immer noch das A und O einer potentiell erfolgreichen Schlacht dar. Deine Recken erhalten Erfahrungspunkte und steigern ihren Level, gleichzeitig trainieren sie ihre Waffen-Fähigkeiten. Sind diese genug ausgebaut, darf die Profession gewechselt werden. Der Ritter wird so zum Drachenreiter, der Schwertkämpfer zum flinken Assassinen – Fantasyzeugs eben.

Viel Blah Blah, noch mehr Epik
Genauso wichtig ist der schulische Alltag an der Officers Academy. Hier werden deine Schützlinge individuell trainiert, kleinere Side-Quests erfüllt und vor allem getratscht. Die Studenten sind allesamt tief ausgearbeitete Charaktere mit einer eigenen Meinung und Motivation und ohne zu viel zu Spoilern: Einige werden dir das Herz brechen. Die zahlreichen Dialoge sind dabei ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sind sie hervorragend vertont, gleichzeitig werden sie dermassen undynamisch präsentiert, dass es sich anfühlt, als hätte man ein sprechendes Bilderbuch vor Augen. Längere Unterhaltungen werden damit schnell zum Schnarchfest, vor allem wenn zum wiederholten Mal über irgendwelche kriegsgeilen Lords und Ladies gelabert wird, die bestenfalls eine Randnotiz wert wären. Ebenfalls etwas irritierend ist der ambivalente Schwierigkeitsgrad, der nach einem knackigen Start ziemlich absackt und dem eigentlich herausfordernden «Fire Emblem»-Standard, nicht gerecht wird. Auf der blütenweissen Weste von «Fire Emblem: Three Houses» sind das aber die einzigen Kleckse, die dazu angesichts des absurd grossen Umfangs des Spiels rasch verblassen. Taktik-Generäle sind mit Nintendos neuem Epos locker 200 Stunden beschäftigt – die Self-Care-Pausen nach dem Tod eines sympathischen Charakters nicht miteingeschlossen.

4/5 Sterne

Teach me harder, daddy!

Damit Byleths Schüler im Unterricht gut mitkommen, muss regelmässig ihr Motivations-Tank aufgefüllt werden. Dies passiert einerseits automatisch, etwa nach einem wichtigen Kampagnen-Sieg. Gleichzeitig aber vor allem manuell, mittels kleinen Minigames auf dem Campus. Anbei die drei erfolgreichsten Methoden:

Zeugs finden
Die Officers Academy ist die Heimat der verpeiltesten Bewohner von ganz Fódlan. Ausnahmslos alle verlieren ständig ihren Shit. Natürlich sind die Besitztümer aber nicht angeschrieben, stattdessen musst du anhand ihrer Charakteristika herausfinden, wer gerade was vermisst.

Teeparty schmeissen
Wer’s intim mag, holt sich jemanden zum Tee auf sein Zimmer oder in den Park. Dabei laufen Gespräche im Multiple-Choice-Stil ab: Es gilt die passende Dialog-Option zu wählen, die sich mit den Interessen des Gesprächspartners decken. Anschliessend kannst du Geschenke überreichen und ihren Oberkörper auschecken, was deine Studenten mit einer Mischung aus Scham und Erregung hinnehmen. Ehm.

Zusammen Zmittag essen
In der Kantine kannst du jeweils zwei Studenten gleichzeitig zum Lunch einladen. Wer die Lieblings-Essen seiner Helden kennt, wird mit einem maximalen Motivationsschub belohnt. Kriegstaktik beginnt eben schon in der Küche.

Diesen Artikel kannst du ab sofort in voller grafischer Pracht in unserer Online-Ausgabe des Printmagazins lesen.