Game-Review: Metro: Exodus


Seit der ersten Ankündigung des dritten Teils der «Metro»-Reihe wussten wir, dass das Spiel grafisch neue Massstäbe setzen wird. Doch schafft es «Metro: Exodus» mit seinem neuen Setting ausserhalb der Metrotunnels ebenfalls aufzutrumpfen oder verliert es auf dem Weg in die Aussenwelt seinen Charme?


Von 4A Games/Deep Silver • Für PS4, Xbox One, PC

Ein Vierteljahrhundert lang waren die stickigen Tunnels der Moskauer Metro das Zuhause der letzten Überlebenden des Atomkriegs. Nur unser stiller Held Artyom glaubt noch an einen Ausweg aus der Strahlung und so begibt sich über Umwege eine kleine Gruppe auf eine lange Zugreise durchs russische Hinterland. Im Gegensatz zu den vorangehenden Teilen wechselt sich das Setting dadurch ständig und die Spielewelt öffnet sich ungewohnt weit. Dass die russische Wildnis dabei auch noch so verdammt gut ausschaut, ist umso erfreulicher – auch  wenn die Ladezeiten von neuen Gebieten schon mal so lange dauern, dass sogar Artyom redselig wird. Dies ist aber schnell vergessen, wenn das Setting von der winterlichen Wolga ans Kaspische Meer im Frühling wechselt.

Ausflug mit Freunden
Neben der gewohnt spannend erzählten Haupthandlung gibt es in jedem neuen Kapitel untergeordnete Geschichten, abwechslungsreiche Aufgaben und vor allem viel zu entdecken. Dabei rücken auch die liebenswerten, wenn auch oft zu gesprächigen Begleiter immer wieder in den Vordergrund, weshalb es im und um den Zug «Aurora» niemals langweilig wird. Selbst der befürchtete Verlust der Horror-Survival-Elemente durch das Verlassen der engen Tunnels, entkräftet das Spiel ziemlich schnell; dafür sorgen religiöse Kulte, verstrahlte Viecher und allerlei sonstige irre Bewohner, die in der Wildnis und anderen düsteren Orten auf Artyom warten. Nicht so gut schneiden dagegen die von den Vorgängern übernommene träge Steuerung und der oftmals zu hohe Verbrauch von Munition bei normalen Gegnern selbst auf niedrigem Schwierigkeitsgrad. Davon abgesehen: «Metro: Exodus» macht alles richtig, um die Spannung der Vorgänger aufrecht zu halten und nicht in die Falle des sich ewigen Wiederholens zu tappen. Punkteten die beiden früheren Ableger noch durch ihren rauen und unpolierten Charme, mausert sich die aktuelle Fortsetzung mit Mut und Risiko zum postapokalyptischen Meisterwerk, von dem sich andere Ego-Shooter wirklich eine Scheibe abschneiden könnten.

4/5 Sterne

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