Game-Review: Mortal Kombat 11


Seit nunmehr 27 Jahren führt Serienvater Ed Boon seine Kämpfer wieder und wieder auf das Schlachtfeld des Earthrealms. Viel hat sich seither verändert – nicht nur die immer übertriebener dargestellte Brutalität der Beat-em-up-Reihe – und mit dem 11. «Mortal Kombat» liefern die NetherRealm Studios den bisher ambitioniertesten Ableger.


Von NetherRealm Studios • Für PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC

«Mortal Kombat 11» beinhaltet gewohnt einen Storymodus, der mit dem Charme eines B-Movies und dem Budget eines Hollywood-Blockbusters präsentiert wird. Die Geschichte ist mittlerweile ziemlich verwirrend, auch weil die Entwickler in früheren Teilen häufiger an der Zeitachse rumgewerkelt haben. Um das Ganze noch zu toppen, gibt es im aktuellen «Mortal Kombat» eine neue Oberschurkin namens Kronika, die ihrerseits die Zeitachse beeinflussen kann. Ziemlich meta also.

Aber wer kauft sich schon ein Prügelspiel wegen der Story? «Mortal Kom- bat 11» kann nämlich an anderen, wichtigeren Stellen glänzen; so wurde vor allem das Kampfsystem gründlich überarbeitet und gebremst. Was sich jetzt vielleicht nach einer Einschränkung anhört, führt dazu, dass die Kämpfer näher zusammenrücken müssen und die Kämpfe dadurch taktischer werden. Das ist den Entwicklern richtig gelungen und macht auch online oder gegen Freunde auf der Couch unglaublich viel Spass. Dass dabei alles auch noch verdammt toll ausschaut und flüssig läuft, ist nur noch das Blutspritzerchen auf dem i.

Lootality!
Abzüge gibt’s dafür in der Haltungsnote, denn «Mortal Kombat 11» ist überfüllt mit Loot-Boxen, äh ’tschuldigung, Loot-Truhen. Diese Truhen liegen in der «Krypta» verstreut rum und können nur mit In-Game-Währung gekauft bzw. geöffnet werden – und um an die begehrten In-Game-Stützlis zu kommen, muss man entweder sehr lange spielen oder sehr tief in die eigene Tasche greifen. Wenn es dabei nur um neue Kostüme und dergleichen ginge, wäre das ja halb so schlimm, aber in den Kisten befinden sich auch «Konsumables», mit denen sich die Charaktere für einen Kampf verbessern lassen. Nun zum lustigen Teil dieser Geschichte: Die später superharten Herausforderungen in den Türmen lassen sich allein durch Können kaum schaffen, dafür braucht es eben diese Truheninhalte. Geil, oder?

Ed Boon hat unterdessen versprochen, dass dieser Missstand bald behoben wird. Warum man solche Mechaniken aber überhaupt einbaut, ist uns schleierhaft (mehr und ausführlicher dazu übrigens im RCKSTR Mag. #165). Es scheint, dass das 2019er Credo der Spieleindustrie einfach ist, mal die Grösse des Shitstorms abzuwarten und erst danach, wenn genug Spieler reklamiert haben, vielleicht darauf zu reagieren. Wir hoffen jedenfalls, dass sich da noch etwas tut, denn diese Mentalität steht dem ansonsten makellosen «Mortal Kombat 11» eher schlecht.

4/5 Sterne

Diesen Artikel kannst du ab sofort in voller grafischer Pracht in unserer Online-Ausgabe des Printmagazins lesen.