Game-Review: Rage 2


Beim Ballern geht das Jointventure der «Just Cause»- und «Doom»-Macher auf. Für den Rest sollten sie nochmals das Sitzungszimmer buchen.


Von Avalanche/id/Bethesda • für PlayStation 4, Xbox One und PC

Liebe auf den ersten Klick existiert. Denk an «Ocarina of Time», die ersten «Tony Hawk’s» oder so ziemlich jedes «Super Mario»-Game. «Rage 2» gehört nicht dazu. Für einen Ego-Shooter müllt es dich viel zu lange viel zu sehr mit Tutorial-Pop-ups voll; die meisten davon ballern dich mit Infos zu dem guten Dutzend an wichtigen Items zu, die es für Upgrades zu sammeln gilt – der Rest erklärt dir, dass du mit dem Dreieck-Button die Bleispritze wechselst. Ah, no shit?

Glanzloses Äusseres
Klickst du dich durch die Menüs mit deinen Waffen, Karren und Fähigkeiten (heissen Nanotrites), tun sich Untermenüs mit besagten Upgrades auf – und für jede Kategorie brauchst du eine andere Währung: Ballermänner werden mit Stutz aufgelevelt, Tweaks aktivierst du mit Waffen-Mods, deine Nanotrites steigern sich aber nur mit Feltrite-Kristallen. Natürlich kannst du die übermässig verschachtelten Menüs auch einfach schliessen – nur sieht’s dann nicht viel rosiger aus. Respektive hübscher. Denn matschige Texturen und NPCs, die wirken wie aus einem Wachsfiguren-Kabinett mit defektem Thermostat, sind im Shooter der «Just Cause»-Macher und der «Doom»-Masterminds die Regel statt Ausnahme. An den Konsolen liegt’s nicht – aufm PC mit Ultra-Settings zeichnet sich nur ein minimal besseres Bild.

Poliertes Herzstück
Was allerdings von Anfang an funktioniert, ist das Ballern. Und zwar unheimlich befriedigend gut. Die Knarren haben Wumms, das Gameplay ist top und shit, wir sind süchtig nach dem Ploppgeräusch, wenn die Köpfe von Punks und Mutanten platzen wie Wassermelonen. Kombiniert mit den Bumerang-ähnlichen Wingsticks, erlernbaren Fähigkeiten wie dem Quasi-Jedi-Machtstoss sowie dem «Overdrive» getauften, kurzzeitig aktivierbaren Beast Mode machen die Fights mehr Spass als in praktisch jedem anderen Ego-Shooter und reichen beinahe an die des 2016er «Doom» heran. Die Hauptmissionen sind unterhaltsam und schön vielschichtig, nur gibt’s lediglich eine Handvoll davon. Nach etwa neun Stunden liegt der lachhaft klischierte Obermotz im Dreck und du kannst dir weitere 20 Stunden mit dem Abarbeiten der Map vertreiben, die viel grösser als im Original-«Rage» von 2011 (brauchst die Story nicht zu kennen, um dem Sequel folgen zu können), aber ähnlich unspektakulär ist. Dabei säuberst du die Locations jedoch stets einfach von allem, was sich bewegt – nichts also, was alle «Far Cry»s dieser Welt nicht schon genau so vorgemacht hätten.

3/5 Sterne

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