Oh baby, diese 5 Games machen dich zur Bestie


2014 hat der «Goat Simulator» die Büchse der Pandora an abgedrehten Tier-Simulationen geöffnet, weshalb wir heute mit Schrott wie dem «Guinea Pig Simulator» zugemüllt werden. Die meisten davon taugen spielerisch wenig bis gar nichts und sind dein Geld nicht wert. Ganz im Gegensatz zu den fünf Gaming-Meisterwerken, die wir hier vorstellen.


von Rainer Etzweiler

Untitled Goose Game (2019, Nintendo Switch und PC)

Der Neuzugang und Initiant dieses, ehm, Essays ist eine angenehme Überraschung, denn hinter dem unscheinbaren Namen und der ebenso simplen Prämisse (sei eine Arschloch-Gans!), steckt ein robustes Stealth- und Puzzle-Game. Als titelgebende Gans terrorisierst du die Bewohner eines kleinen Dorfes anhand einer To-Do-Liste. Dazu kannst du auf verschiedene Gegenstände zurückgreifen, die mal offen herumliegen oder mittels Arschlochigkeit besorgt werden müssen. Es gilt etwa, einen kleinen Jungen so lange durch die Strassen zu jagen, bis er in eine Pfütze fällt. Anschliessend nehmen wir ihm seine Brille weg und tauschen sie gegen eine andere aus. Nun kann er nicht mehr sehen, wie wir ihm sein Spielzeug-Flugi klauen, welches wir dann an einem Marktstand ins Regal stellen, worauf der Verkäufer erst Kohle sehen will, bevor es der gansgemobbte Junge zurückbekommt. Und wen dieses dramaturgische Feuerwerk jetzt nicht überzeugt hat: Es. Gibt. Eine. «Honk-Taste»! 10/10.

Tokyo Jungle (2012, Playstation 3)

In einem postapokalyptischen Tokio hat sich die Natur die Stadt zurückgeholt. Diese ist nun Schauplatz eines Rassenkampfes, bei dem sich rund 40 verschiedene Tierarten gegenseitig zerfleischen. Darunter gefährliche Prädatoren wie Tiger und Wölfe sowie das gefährlichste aller Raubtiere: Der Zwergspitz. Je nach Konstitution des gespielten Pelzträger unterscheiden sich die Aufgaben. Grundsätzlich geht es aber schlicht ums Überleben. Dafür müssen unterlegene Tiere gefressen oder aus dem Revier vertrieben werden. Wer sich darin beweist, darf freundlich gesinnte Artgenossen knallen und so den Fortbestand sichern. Doggystyle!

Hatoful Boyfriend (2014, PS4, PC, iOS und Android)

Auf der Sexyness-Skala der Vögel belegen Tauben jetzt nicht unbedingt den vordersten Rang, was Entwickler Pigeonation Inc. aber nicht davon abgehalten hat, dem Federvieh ein Dating-Sim-Game zu verpassen. Die Tatsache, dass du selber einen Mensch verkörperst, schraubt den WTF-Regler mindestens bis 11. Weiterhin bekommst du es mit Kannibalen-, Punk- und Transvestiten-Tauben zu tun, die deinen Alltag an der Vogel-High-School aufmischen. Solltest du es daneben schaffen, fleissig deine Kurse zu besuchen, steigert das die Chance, romantisch bei deinem Taubenmitschüler zu landen (eww!). Wenn du das verbockst, wirst du am Ende des Schuljahres umgebracht, denn du kennst ja das alte Sprichwort: «Everybirdie needs somebirdie».

Mister Mosquito (2000/2001, Playstation 2)

«Survival of the fittest» ist auch das Credo des bizarren Stealth-Games «Mister Mosquito», wo du dich als Mücke auf den kommenden Winter vorbereiten musst, indem du die Yamada Familie in ihrem Vorstadthäuschen über 12 Level hinweg um ihre Blutreserven erleichterst. Um dabei nicht ertappt zu werden, musst du mit der Umgebung interagieren; Lichterlöschen oder die Stereoanlage einstellen, sorgen dafür, dass die Familienmitglieder abgelenkt sind und du leichteres Spiel hast. Besonders toll:  Die armen Yamadas werden zunehmend wahnsinnig, bis es komplett eskaliert und der Dad mit Meteoriten um sich schmeisst.  

Seaman (1999/2000, Sega Dreamcast)

«Seaman» ist ein virtuelles Haustier mit dem Körper eines Fisches und dem Kopf eines Menschen und er ist creepy as fuck. Ausserdem kann er sprechen und beleidigt deine Mutter – kein Scheiss! Deine Aufgabe ist es, den Grüsel am Leben zu erhalten und dafür zu sorgen, dass er sich weiterentwickelt und irgendwann zu einem noch ekligeren Frosch-Mensch-Mischwesen wird. Dafür muss er sich wohl fühlen, genug Futter und die richtige Wassertemperatur haben. Ausserdem stellt er dir Fragen, die über das mitgelieferte Mikrophon beantwortet werden können. Im Jahr 2000 war Spracherkennung auf diesem Level ein Novum. Das Sega diesen technischen Fortschritt dazu nutze, uns mit einem Fisch sprechen zu lassen, ist ebenso durchgeknallt, wie der Fakt, dass der videospielgewordene Ketamin-Fiebertraum von Leonard «Mr. Spock» Nimoy moderiert wird.

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