Review: Resident Evil 2


Klassischer Survival-Horror mit modernen Annehmlichkeiten und Hochglanzoptik – eine Kombi, so schaurig schön wie das Platzen eines Zombieschädels.


Von Capcom – Für PS4, Xbox One, PC

Du hörst das Röcheln, schleichst um die Ecke, während du mit dem nur halb geladenen Revolver zielst, erschrickst ob den Schatten, welche die Farbdosen auf dem Regal werfen, merkst dann, dass deine eigene Taschenlampe Schuld daran ist und hast plötzlich den Zombie am Genick, weil du kurz unaufmerksam warst. Die Spannung, die Capcom in «Resident Evil 2» mit lächerlich detaillierter Optik, in Echtzeit generierten Schatten und meisterhaftem Sounddesign erschafft, sucht im Grusel-Genre ihresgleichen. Der Survival-Horror-Titel ist ein komplettes Remake des gleichnamigen 1998er Kultklassikers, für den Entwickler Capcom praktisch alle Kritikfalten des Originals ausgebügelt hat. Statt der fixen Kamera sitzt die neue über der Schulter der Protagonisten Leon und Claire und holt das Grauen näher heran. Allerdings nicht so nahe wie beim Ego-Perspektive-Horror von «Resident Evil 7: Biohazard» vor zwei Jahren, das darum im direkten Vergleich den noch grösseren Schiss-in-der-Hose-Faktor bietet. Das Hantieren mit Gegenständen im stets zu kleinen Inventar – schliesslich ist im Genre der Kampf mit dem Stauraum ebenso nervenaufreibend wie der gegen die Untoten – geht eleganter von der Hand, verschlossene Türen und liegengelassene Items werden auf der Map markiert und die Exorzisten wider Willen steuern sich relativ flüssig, ähnlich wie im Meilenstein «Resident Evil 4».

Ähnliches Erleben
Allerdings wirkt es durchaus altbacken (speziell in einem Game, das so modern aussieht), wenn du mangels Dodge-Button unfreiwillig schnell an dir Knabbern lässt, was besonders bei den verhältnismässig flinken Bossgegnern auf den Zeiger geht. Das Balancing stimmt jedoch und wenn du nicht in einem Panikanfall alle Kugeln verballert und sämtliche Heilmittel aufs Mal geschnupft hast, kommst du in der Regel gerade so durch – und so soll’s schliesslich sein. Unschön ist, dass sich Leons und Claires je rund zehnstündige Kampagnen zu oft überschneiden und du dich am Ende zudem jeweils fragst, was zur Hölle die andere Hauptfigur eigentlich in der ganzen Zeit getrieben hat, in der du im und ums Polizeipräsidium von Raccoon City herum saubergemacht hast. Auch der zu zurückhaltend erzählten Geschichte und ihren blassen Akteuren hätte ein 2019er Update gutgetan. Letztendlich konzentrierte sich Capcom jedoch darauf, dem Original Tribut zu zollen und liefert für erneute Durchgänge sogar vergleichbare Boni wie 1998. Zwar leidet der eingangs beschriebene Horror mit jedem weiteren Durchspielen, Spass macht’s aber trotzdem, was zeigt, auf welch hohem Gameplay-Niveau das «Resident Evil 2»-Remake spielt.

4/5 Sterne

Diesen Artikel kannst du ab sofort in voller grafischer Pracht in unserer Online-Ausgabe des Printmagazins lesen.