The Legend of Zelda: Link’s Awakening


Nicht Hyrule muss Link im Remake des 26 Jahre alten Gameboy-Spiels retten, sondern die Insel Cocolint. Wobei «retten» möglicherweise das falsche Wort ist – aber das ist lange nicht die einzige Eigenheit im seltsamsten Teil von Nintendos langlebiger «Zelda»-Serie.


Gutes Gamedesign ist zeitlos, davon zeugen unter anderem die regelmässig erscheinenden neuen Games der Tetris-Franchise, die im Grunde allesamt nur Upgrades des allerersten Teils von 1989 sind.  Während Puzzlespiele sich aufgrund ihrer Simplizität sowieso nur bedingt weiterentwickeln können, haben es komplexere Genres nicht so einfach. Umso bemerkenswerter ist es da, dass «Link‘s Awakening» für die Switch eine nahezu 1:1 Umsetzung ist, die sich aber zu keinem Zeitpunkt antiquiert anfühlt.  Klar, gegen die offenen Ebenen eines «Breath of the Wild» ist Cocolint geradezu winzig und die rund zwölf Stunden, die es bis zu den Credits braucht, sind vergleichsweise wenig. Aber hinter der überschaubaren Grösse steckt ein waschechtes «Zelda», mit cleveren Dungeon-Rätseln, zahlreichen Bossfights und der gewohnten Nintendo-Magie.

Wer vor 2017 schon mal mit Link Hühner verprügelt und unschuldige Tontopf-Händler in den Ruin getrieben hat, kennt die Formel: Eine weitläufige Oberwelt verknüpft teils mehrstöckige Dungeons, deren Rätsel den Einsatz verschiedenster Gegenstände erfordern. Du sprengst mit Bomben Löcher in die Wände, verschiebst dank Kraftarmband schwere Steinblöcke und überwindest Abgründe mit  der Greifenfeder. Am Ende des Labyrinths wartet jeweils ein Bossgegner, der nach demselben Prinzip funktioniert, tendenziell sind diese allerdings etwas gar einfach ausgefallen. Neben den acht Dungeons warten in Cocolint die serientypischen Herzteile darauf, von dir gefunden zu werden, wobei es im Remake insgesamt 20 Stück gibt, also sechs mehr als in der Gameboy-Fassung. Ebenfalls neu ist der Dungeon-Creator. Hier können einzelne Räume zu einem eigenen Labyrinth zusammengebastelt werden – eigentlich eine tolle Idee, die «Link‘s Awakening» aber noch stärker vernachlässigt, als Will Smith seinen ältesten Sohn. Holy shit Will, besorg ihm doch wenigstens seinen Wiki-Vermerk.

Die Screenshots verraten bereits, dass der Diorama-Look cute as heck ist, was nicht nur perfekt zur verträumten Insel-Kulisse passt, sondern auch Hand in Hand geht mit den zahlreichen Absurditäten des Spiels: Ein fetter Mario (heisst hier Tarin, aber der Schnauz ist über jeden Zweifel erhaben), der sich in einen Waschbären verwandelt, ein Kettenhund, der Blumen frisst und ein anthropomorphisches Krokodil, das Konservendosen sammelt, sind nur drei davon. «Link‘s Awakening»  ist ein durch und durch seltsames Abenteuer mit viel Charme und ein weiterer Must-Have-Titel für die Switch.

4/5 Sterne

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